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Das war’s dann – Webstricken hilft

Mich hat doch noch der Ehrgeiz gepackt, die aufgeschnittenen Gobelingarne zu verarbeiten. Man hat ja sonst nichts zu tun. Da kann man dann die Handstrickapparate auftrumpfen lassen, die eine Zusatzfunktion für’s mühelose Webstricken haben.

 

Bildquelle http://www.textilesnaturales.com/images/spotsandsquarescushion.jpg

 

Da ich dieses Feature noch nie getestet hatte, wurde es langsam Zeit.
Die Handstrickapparate bieten zum einen die Möglichkeit, Muster von den Lochkarten auch als Webmuster zu nutzen oder eine Art Freestyle-Weben zu praktizieren, bei dem man verschiedene Farbflächen arbeitet. Letzteres will ich zu einem anderen Zeitpunkt testen, weil die kurzen Fäden an Fläche nicht viel hergeben. Die Lochkarten, die der Standardstricker mitgeliefert bekam, bieten eine Optik, wie Sofakissen aus den 60-ern, wie eine Strickkollegin einmal formulierte.

Wichtig beim Weben mit den Lochkarten: die Löcher dürfen nicht zu große Abstände haben, da sonst die Fäden zu viele Maschen überbrücken müssen, Schlaufen bilden und man leicht an denselben hängen bleiben kann.  Vorteil: man kann auch die schrottigsten Garne verweben und spezielle Effekte erzeugen

Für den ersten Versuch wählte ich als „Webuntergrund“ oder Strickfaden eine Mischung aus fünf Konengarnen. Ein Teil davon war erst neulich durch eine großzügige Gabe von Johanna eingewandert, die mit ihren 93 Jahren in den Strickerinnenruhestand eingetreten ist, weil leider ihr Sehvermögen Strickarbeiten nicht mehr gestattet. Sie ist eine große Unterstützung im Strickforum, denn sie kennt ihre Maschinen auswendig, jeden Handgriff. Praktisch eine lebende Bedienungsanleitung.

Das Webgarn sind die Gobelingarn-Fäden. Ich wählte ein Muster von Iris Bishop aus ihrem Heftchen „Animal Textures“, das Tierpfoten repräsentieren soll und erstellte die Lochkarte.

 

Wie man erkennen kann, haben die Fäden unterschiedliche Längen, daher muss sich die Breite des Strickstücks an die kürzesten Fäden anpassen.

Wie man erkennen kann, haben die Fäden unterschiedliche Längen, daher muss sich die Breite des Strickstücks an die kürzesten Fäden anpassen.

 

So sieht es aus, wenn die Fäden eingewebt sind. Diese Seite zeigt sich beim Webvorgang vor einem. Als erstes habe ich eine bunte Mischung genommen, später die Webpartien einfarbig gestaltet. Tja, und nach einiger Zeit ist mir das Strickstück durch eine Unachtsamkeit von den Nadeln gefallen. Obwohl ich noch andere Ideen hatte, befand ich, das Werkstück an dieser Stelle zu beenden, zumindest, was das Stricken anbelangt.

Hätte ich geahnt, was ich jetzt weiß, wäre ich in der Planung sorgfältiger vorgegangen: nun mussten die Konturen ausgeschnitten werden, zum Glück habe ich eine geeignete Schere. Eine herkömmliche Haushaltsschere ist dazu nicht geeignet. Für das Schneiden der Konturen brauchte ich doppelt so lange, wie für das Lochen der Karte und den Webstrick-Vorgang zusammen.

Das wichtigste Utensil beim Einweben der kurzen Fäden: Wäscheklammern. Damit werden die Anfangsfäden fixiert, denn eine Hand braucht man für das lockere Halten des Fadenendes, die andere zum Schlittenschieben. Glücklicherweise verfügt dieser über eine Führung, so dass gut erkennbar ist, wo der Faden positioniert werden muss, um gut erfasst zu werden.

Anmerkung an Marianne: Es gibt auch beim Webstricken Rollwurst. Dieser rückte ich jetzt zu Leibe und nutzte, was im Kommentar zum vorletzten Beitrag geschrieben wurde: Gobelingarn filzt höllisch. Nach dem Sichern der Kanten habe ich den Schal heiß gewaschen und geknetet. Die Kanten rollten zwar immer noch, aber durch Bügeln von der linken Seite wurden die Kanten glatt. Zugegeben: von den fünf Konengarnen sind zwei aus Acryl, und der versierten Strickerin ist bekannt, dass man Acryl zu Tode bügeln kann. Danach ist keinerlei Spannung mehr drin.

Für Schal zwei brachte ich kein überschwängliches Interesse mehr auf, die Schnibbelarbeit hat meine Geduld überstiegen, und ich wollte die Fäden einfach nur weg haben. Glücklicherweise kam ich durch Anna mittels eines feinen Tauschgeschäfts wieder zum großen Teil des Standardlochkartensatzes für meinen Heimstricker. Weiß der Kuckuck, wie meine Karten überhaupt weg kamen. Vage erinnere ich mich, ihn einmal ausgeliehen zu haben, aber an wen nur? Nun hatte ich wieder die Lochkarte 1, die ich niemals hätte nachlochen wollen. Damit webte ich die übrigen Fäden in loser Streifenfolge in unterschiedlichen Abständen.

 

Die Rückseite sieht ganz passabel aus. Als alle Fäden verwoben waren, bügelte ich einmal über die seitlichen Kanten der Rückseite und nähte zwei Reihen Zickzackstich. Die Fäden wurden abgeschnitten, und die Waschprozedur beendete die Arbeiten.
Hier kann man noch erkennen, wie die Stärke des Webgarns und die Höhe der Streifen die Breite des Schals bestimmt

 

 

  Das ist die Ausbeute der Fäden, ein Rest von 63 Gramm; der Angetraute beobachtete das Geschehen interessiert und begeistert. Danach fragte er, was ich denn nun mit den kurzen Restchen machen würde. „Die stelle ich auf den Balkon, dann können sich die Vögel davon für ihren Nestbau holen“, sagte ich. „Ziemlich aufwendige Prozedur, um Nistmaterial für ornitologische Urbanitäten herzustellen“, meinte er.
Dieses Buch in meinem Besitz werde ich auf jeden Fall verstärkt nutzen
Dieses Buch in meinem Besitz werde ich auf jeden Fall verstärkt nutzen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Meine Ideen für die Nutzung von Webstrick will ich noch schnell notieren, für den Fall, dass ich darauf zurück greifen möchte. Dazu kommt die Charakteristik von Webgestricktem: es ist nur längselastisch und querseitig undehnbar.
Die Gewebe kann man prima als Stoffe für Couture verwenden. Entweder einfach als Poncho oder zugeschnitten für Jacken, Röcke, etc.
Aus ein paar Bahnen können auch Webdecken gefertigt werden. Ich habe schon eine Idee, wie man Farbflächen aus unterschiedlichen Garnen im Freeform-Style gestalten kann, mit mehreren Fäden in einer Reihe. Oder Colorblocks, wie nennt man das auf deutsch? Auch Taschen, seitlich gestrickte Röcke oder Tunikas in einfachen Schnitten sind schöne Flächen für Webstrick.
Wenn euch noch was dazu einfällt: bitte tobt euch in den Kommentaren aus!

2 Gedanken zu „Das war’s dann – Webstricken hilft

  1. LanArta sagt:

    Danke für deine Rückmeldung! Bei den dickeren Garnen (ca. worsted) ging der Schlitten schon schwerer zu schieben. Die Maschenweite sollte dem Webgarn angepasst werden, nicht dem Strickgarn. Ich hatte beim Pfotenschal MW8 und beim Streifenschal – weil das Strickgarn ca. Sockenwollstärke hatte – MW10.

    Maschenpröbeln hilft wahrscheinlich

    Antworten
  2. Anna sagt:

    Das ist ja eine Superidee. Ich habe noch nie gewebstrickt. Das muss ich unbedingt probieren! Wenn ich mich richtig erinnere, wird doch empfohlen, durchaus auch mal dickere Fäden zu nehmen (die als Strickgarn für die Maschine zu dick wären), richtig? Danke für die vielen Bilder und Tipps! Grüße von Anna

    Antworten

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