Springe zum Inhalt

Wert und Wandel der Korallen : meine Quirlis auf dem Ankündigungsposter

Was die Kommunikation mit entfernter wohnenden Freund:innen, guten Bekannten und geschätzten Menschen anbelangt, bin ich auf dem Stand von ca. drei Wochen vor Weihnachten. Hier stehen immer noch halbgepackte Weihnachtspäckchen, und es liegen halbgestrickte Geschenke zum Beenden bereit. Teilweise habe ich Postkarten zu Weihnachten geschickt, aber ich wollte mir Zeit für “richtige” Briefe nehmen, und habe mich mit dem Anspruch, jeder und jedem die angemessene Zeit zu widmen, völlig übernommen.

Wie kam es dazu? Im Frühherbst nahmen viele Projekte, die ich ehrenamtlich betreue, enorm an Fahrt auf. Sie waren coronabedingt zurückgestellt gewesen und wurden nun reaktiviert. Darüber hinaus übernahm ich Aufgaben, die mehr Zeit brauchen als angenommen und große Verantwortung mit sich bringen. Alles muss dokumentiert werden. Vielleicht arbeite ich mittlerweile einfach langsamer oder die Zeit vergeht schneller. Ich habe den Verdacht, in der Pandemie verbraucht man mehr Zeit für den Alltagskram.

Meine letzten Beiträge hier auf der Website handelten von der Beteiligung am Projekt “Wert und Wandel der Korallen” des Museums Frieder Burda in Baden-Baden. Das Thema soll hier und heute seinen Abschluss finden.

Ich war eingeladen – mit ca. 15 weiteren von 4000 Häklerinnen – mich mit den beiden Künstlerinnen Margret und Christine Wertheim zu treffen und schon eine Sneak-Preview der Ausstellung zu erhaschen, ein überwältigendes Erlebnis, 40.000 Einzelkorallen in einem künstlerischen Gefüge zu sehen.
Als ich die Treppe von der Tiefgarage auf den Weg zum Museum Frieder Burda hinaufging, prangten mir meine Korallen auf dem Ankündigungsposter für die Ausstellung entgegen.

 

Im Treppenaufgang der Tiefgarage

 

Das Licht in der Ausstellung war leider grottig zum Fotografieren, die Bilder mussten teilweise nachbearbeitet werden. Weil ich einige Korallen vermisst habe, die ich schon in Ravelry sah, habe ich nachgefragt: die Ausstellung war am Abend noch gar nicht ganz fertig, es kommen noch zwei Paneele, und eine Art Baum, worauf noch Korallen appliziert werden.
Ihr werdet es nicht glauben: man findet an einer Wand, an der Hunderte, ja Tausende Korallen hängen, die eigenen sofort heraus, sogar meine kleine Bastkoralle, unfassbar!

 

Bildurheber: MuseumFrieder Burda, Baden-Baden

 

Manche Korallen wurden von den Aufbauhelferinnen “verziert”, also aufgepimpt. Ein Korallenarrangement von mir wurde auseinandergenommen, die Teile in zwei verschiedene Teppiche eingebaut. Ich habe sie trotzdem erkannt.

 

Blick im Fahrstuhl in einem der Stockwerke

 

Es gibt eine “Wall of Fame”, da kann man an einem ca 15m langen Paneel unter 4000 Namen den eigenen heraussuchen. Das Licht war zu schlecht, um es aufzunehmen, aber beim Besuch der Ausstellung werde ich das nachholen.Der Katalog kommt noch, in ca. einem Monat.

Ich sprach mit dem Fotografen, er sagt, er fotografiere immer für das Museum, das sei aber bei weitem die beste Ausstellung, die er je sah.

 

 

Die Reden waren auf die Häkelkünstlerinnen ausgerichtet und erfreulich kurz, der künstlerische Leiter sagte, hätte er im voraus gewusst, dass hunderte, ja tausende Pakete eintreffen, er hätte es sich schwer überlegt, das Projekt anzugehen; sogar die Paketlieferanten sind teilweise mehrmals gelaufen, um die Lieferung auszuladen. Das Ergebnis hat aber alle seine Erwartungen übertroffen, nur alle paar Jahre einmal könne man bei einer Kunstausstellung solche Emotionen erleben.

 

Meine Kugel mit orangenen Flimmerhärchen

 

Er sagte auch, die Korallen gingen nicht verloren, er habe schon so viele Anfragen nach der Ausstellung, dass sie auf Jahre in Museen in aller Welt zu sehen sein werden.
Die Korallen sind nicht nur auf den Riffs und den zwei großen Paneelen, von denen eins ca 20m lang ist, sondern auch innen und außen im Aufzug. Man fährt also über drei Stockwerke an Korallen vorbei und kann sich in jedem ein Paneel von ca 60cm Breite und drei m Höhe ansehen. Und verblüffend: sogar im Fahren erkennt man seine eigene Koralle aus allen anderen heraus!

 

Unten eines der Korallenstämmchen von mir, das andere ist im Riff.

 

Ich konnte die Frauen kennenlernen, die alleszusammengefügt haben, und ca. 15 von den Häklerinnen, die mitgewirkt haben. Auch die Originale der Häkelarbeiten von Christine und Margret Wertheim waren zu sehen. Mit ihnen konnte ich sprechen, und wir werden ein Projekt in den USA angehen, ganz andere Baustelle. Ich vermittle hauptsächlich die Kontakte.

 

Christine Wertheim, wie sie eine meiner Korallen in der Hand hält. Bildrechte und Urheberschaft liegen beim MUseum Frieder Burda. Die Dame daneben durfte ich auch kennenlernen.

 

 

 

Außen am Museum ist eine Videowand mit wechselnden Bildern aus der Korallenausstellung

 

Christine Wertheim berichtete, sie hätten zu Beginn ihrer Aktion in 2005 eine Vorstellung gehabt, wie einmal ein ganzes Museum voller Korallenriffs sein würde. Dass dies tätsächlich Wirklichkeit würde, hätten sie nicht geglaubt, aber in Baden-Baden seien ihre Vorstellungen übertroffen worden. Sie sagte: It’s beyond, it’s simply beyond. Also, es geht weit über ihre kühnsten Erwartungen hinaus. Das Baden-Badener Riff sei die Kathedrale aller bisherigen Korallenriffs weltweit. Das Riff ist genau so entstanden, wie es auch im Meer ensteht: der Zusammenschluss vieler Einzelteile bildet das Kunstwerk.

Ein virtueller Rundgang wurde uns Teilnehmerinnen vor der Ausstellung auf Video gebannt. Das Video und auch die gesamten Filme im Fernsehen werden der Realität nicht annähernd gerecht. Virtueller Rundgang

Wer die Sendungen mit den Korallen anschauen möchte:

Nicht alle Bilder haben hier Platz, aber bei Ravelry können alle Bilder angeschaut werden, Klicken vergrößert.
Frieder Burda: Wert und Wandel der Korallen I

Frieder Burda: Wert und Wandel der Korallen II

 

Ein Gedanke zu „Wert und Wandel der Korallen : meine Quirlis auf dem Ankündigungsposter

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Skip to content