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Doch nicht Gelsenkirchen

“Gelsenkirchen” war der Arbeitstitel für diese Decke. Einer Strickkameradin hatte ich ein Konvolut Discounter-Sockengarne abgekauft, für meine Charity-Decken. Kennerinnen der Szene wissen: die Pakete enthalten stets eine Mischung aus einer Uni-Farbe und einem Farbverlaufsgarn, in dem die Farbe des Uni-Garns auftaucht.
Die Farbverlaufsserie erinnerte mich stark an die Colorierung von Postermöbeln aus dem sogenannten Gelsenkirchener Barock, der in meiner Erinnerung hauptsächlich in den 70er Jahren und später zu meiner Studienzeit in Studentenbuden auftauchte. Dort standen die Möbel, die in den 50er Jahren beschafft wurden, aber dann aus Geschmacks- oder anderen Gründen ausgemustert wurden. Einige fristeten ihr Dasein in “Fremdenzimmern” oder wurden zur Ausstattung für die an Studenten vermieteten Räume genutzt. Mir wurde berichtet, sogar heute noch kann man in Zimmern in touristischen Gegenden Überbleibsel dieser Möblierung begegnen.

Die Farbgebung der Polstermöbel und des übrigen Interieurs spiegelt sich in dieser Abbildung wieder Bildquelle

Es fehlen noch die klassischen Grüntöne:  Moosgrün, Schlammgrün, Ockergrün, Olivgrün …

Meins waren diese Farben noch nie, schon damals nicht, aber meine Schwiegermutter hat sie offenbar geliebt und tut es heute noch, allerdings in dezenterer Ausprägung.

Daher wurde beschlossen, für ihre braune Wohnzimmercouch diese Decke für das Mittagsschläfchen anzufertigen. Aus meinen eigenen Vorräten wurden noch Garne zugeschossen, und mit Häkelnadel 4mm verarbeitete ich 1041 g Sockengarn.

 

Da ohne Qualitätskontrolle heutzutage gar nichts geht, wurde unser bewährter Supervisor und QMB um Stellungnahme gebeten.

 

 

Unsere Möbel sind übrigens aus den 90-ern, wurden jedoch schon einmal neu bezogen.

 

Eine Aufnahme vom Zwischenstadium

 

Wer eine vergleichbare Decke nacharbeiten will: siehe Anleitungsskizze

Voraussetzung ist, dass man die Grundfertigkeiten des tunesischen Häkelns kennt:
Grundmaschen, abketten, Anschlüsse häkeln.
Entsprechende Kurse gibt es bei Youtube, wobei ich die Videos von Veronika Hug empfehlen kann (keine Werbung, der Name gilt als Stichwort für die Suchfunktion)

  •  Start beim roten Quadrat
  •  gelbes Rechteck anschließen, dabei mit dem roten Quadrat verbinden
  • rechte Hälfte des Rechtecks abketten
  • Neues gelbes Rechteck mit 20 Maschen anlegen und 10 Reihen häkeln
  • Abschließen mit gelbem Quadrat
  • Numerierung gibt die Reihenfolge vor
  • Da sich Tunisisch Gehäkeltes ziemlich rollt, empfiehlt sich eine Umrandung

Wenn man die gewünschte Breite hat, kann beliebig in der Höhe fortgesetzt werden, also rechts mit dem Quadrat starten und nach links mit Rechtecken weiterführen, enden mit Quadrat.
Ist die gewünschte Höhe erreicht, macht man nur noch Anschlüsse und endet mit den Rechtecken.
Die Skizze verdeutlicht das Vorgehen. Abschluss mit Quadrat.

Das Deckenmuster eignet sich prima für Verlaufsgarne oder den Resteverbrauch

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4 Gedanken zu „Doch nicht Gelsenkirchen

  1. Angela sagt:

    ich bewundere deine Decken!!!! Wenn ich mir angucke, wie lange ich an einer Decke rumkrebse und bei dir wird gefühlt jede Woche eine fertig.

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    • Michaela sagt:

      Vielen Dank, Angela!
      An dieser saß ich gefühlt sehr lange. Es ist die vorletzte in diesem Jahr. Eine hängt noch am Mittelstricker und wird und wird nicht fertig.

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  2. LanArta sagt:

    Toskana? Das klingt spannend!
    Da hätte ich Farben wie Salbei, Ocker, Grüntöne, Gelb zugeordnet. Oder doch: Bei den Ziegeldächern kommen die Farben vor.
    So, nun habe ich auch Wollke 7 bei den Links

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  3. Ute sagt:

    Eine rundum gelungene Decke, die eher an die Toskana als an Gelsenkirchen erinnert …

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