Springe zum Inhalt

GriGraGranny

Die 70-er Jahre sind nicht spurlos an mir vorbei gegangen. Nicht nur politisch, sozial und und in der Mode gab es Umstürze (Plateauschuhe, schrille Muster, Jeans mit Schlag, möglichst auffällige Accessoires), sondern auch in der Handarbeit.
Knallige Farben in abenteuerlichen Kombinationen traten auf, die Farben orange, braun, oliv feierten fröhliche Urständ, manchmal sogar zusammen kombiniert. Die Farben verdanken wir dem Fortschritt der Industrie, erstmalig gefärbte Kunststoffe zu produzieren, was auch die Möbelwelt nachhaltig beeinflusste. Und das Wohnambiente. Ich erinnere mich deutlich an Tapeten mit großformatigen  grafischen Mustern und dazu passenden Vorhängen in Kontrastfarben. Unser nach dem damaligen Stil eingerichtetes Nebenzimmer hat noch heute die Bezeichnung “Gruselkabinett”.
Nicht zu vergessen die “Prilblümchen”, die an allen Küchenwänden und -möbeln meiner Schulkameraden klebten – nur bei uns nicht.

Urheberquelle http://www.erinnerstdudich.de/kategorie/werbung/prilblume-aufkleber/

 

Meine Eltern erlaubten nicht, dass die Kacheln an der Spüle zugekleistert wurden, ebensowenig in folgerichtiger Konsequenz, dass ich Poster von Popstars an die Wand nadelte …äh … pinnte. Ich umging das geschickt, indem ich die Popstars einfach malte. Das war erlaubt.

Und ich strickte und häkelte, was die Wolle hergab.
Begonnen hatte es beim Besuch bei einer Klassenkameradin. Sie hatte eine Tagesdecke in drei Blautönen mit Weiß. Die gesamten weiblichen Familienmitglieder haben daran gearbeitet. Natürlich hieß das seinerzeit nicht “Granny Square”, sondern Patchwork. Flickendecke wollte man das Elaborat nicht gerne nennen, diesen Begriff behielt man sich für Decken aus Garnresten vor.
Das klassische Patchworkmuster sieht so aus und man spricht ganz modern von “Vintage”

Bildquelle, Anleitung

Natürlich gibt es mittlerweile zahlreiche Abwandlungen, aber die herkömmliche gestylte Patchworkdecke ähnelte dieser mit mehr oder weniger großen Motiven.

Bildquelle

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Meine Klassenkameradin und ihre Familie häkelten seinerzeit an einem weiteren Teil für die Schwester, und ich wollte unbedingt auch so eine, ebenfalls in Blautönen, weil das seinerzeit meine Lieblingsfarbe war.

Ich sprach also bei meiner Mutter vor, die überschlägig berechnete, welche Garnmenge benötigt wurde und was das kostete.

Unsere Familie lebte beständig auf Sparkurs, d.h., das Geld wurde für wichtige Dinge verwendet. Die Decke würde 2 kg Garn benötigt haben, das überstieg unser Budget gewaltig.

Den Vorschlag meiner Mutter, eine Restedecke anzufertigen fand ich nicht gut, und das Projekt war gestorben.

Mit dem Patchworkmuster selbst wurde aber jede Menge angefertigt. Ein Büschel von drei Stäbchen in die darunter liegende Lücke zu häkeln konnte ich im Schlaf. Ponchos vor allem, Pullunder, Westen, Tuniken, Kissenbezüge und was weiß ich noch alles entstanden in dieser Zeit.

GrannyM
Dann war für Jahrzehnte Schluss, bis ich in einem 1€-E-Book ein Granny-Muster sah, dass ich nacharbeiten wollte.
So weit bin ich bis jetzt.

Wollt ihr raten, was das werden soll?

Ich kann nur sagen: es ist wie früher, man fällt geradezu in Trance beim Häkeln.
Das ist natürlich ein ganz modernes Garn mit langem Farbverlauf. Jedes Knäuel gestaltet sich anders. Ich bin selbst schon gespannt auf das fertige Stück.

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.