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Hector und Hermes, ein ungleiches Paar

Wir erwarteten Zuwachs von acht Pfoten. Nachdem unsere Carla wegen ihres schweren Nierenleidens gestorben ist, bekam ich viel Trost und Zuspruch von Heidrun, die meinte, jede Katze die stirbt, erwartet, dass man den freigewordenen Platz gleich an ein Tier – möglichst aus einem Heim oder misslichen Lebensumständen – weitergibt.

Wir haben uns entschieden, ein Katzenpaar zu nehmen und bekamen auch Angebote, die uns nicht überzeugten. Der Angetraute verliebte sich in einen schwarzen Kater und streichelte ihn spontan. Die Mitarbeiterinnen des Tierheims hielten den Atem an. Die Leiterin meinte, dieses Tier habe sich noch nie von jemandem streicheln lassen. Das Tier blickte sehr melancholisch in die Welt, kein Wunder, wenn man mit dem Namen “Dickie” betitelt wird.
Der zweite Kater soll ein Perser sein. Und das uns, die nie Rassekatzen wollten. Völlig überzüchtet und degeneriert, waren wir überzeugt. Und genau so ein Tierchen ist der Perser, ein Produkt von einer aus dem Ruder gelaufenen Züchtung. Ein ziemlich hässliches Tier, das kahl geschoren werden musste, weil die Besitzer, die zu zwölft in 2,5 Zimmern leben, ihn nie gepflegt hatten. Verfloht und verzeckt hatten sie ihn auch nie in die Wohnung gelassen. Der sehnt sich nach Ruhe und Streicheleinheiten und schnorchelt wie ein Mops. Die platte Nase lässt ihn kaum Luft bekommen.

Statt Dickie ist es dann Hector geworden.
Hector wurde ganz kurzfristig von der Familie nach einem Jahr zurück gegeben, wegen angeblicher Allergie der Familienmutter bzw. des Tieres. Der Arme verstand die Welt nicht mehr: erst Prinz und dann rausgeworfen. Auch ein ganz verschmustes Tier. Es hat sich umgehend das Filznest unter den Nagel gerissen.
Auf dem Rückweg vom Tierheim meinte der Angetraute: “Ob das mit den beiden wohl gut geht?” Ich: “Wieso meinst du?” “Naja”, meinte der Angetraute, “Hermes ist Grieche und Hector ist Trojaner.”

Die Tiere bekommen je ihr eigenes Futter. Der Perser Trockenfutter, weil er sich mit Nassfutter die ohnehin engen Nasenlöcher zupappt, der Gefleckte, weil er angeblich allergisch gegen Getreide im Futter ist. Dummerweise hält er sich nicht an die Regeln: er frisst einfach alles. Wie wir das in den Griff bekommen sollen: keine Ahnung. Der Perser bekam vorher Billigstfutter und findet das “gesunde” Futter einfach nicht schmackhaft. Wie Menschen, die ihren Geschmackssinn durch industriegewürztes Fertigessen ruiniert haben und gesunde Nahrung nicht mehr lecker finden, bzw. den Eigengeschmack der Lebensmittel nicht mehr kennen.

Jedenfalls sind sich die beiden noch nicht grün. Sie dulden einander, aber sie lieben sich nicht. Wenn Hermes Hector zu nahe kommt, kriegt er eins verplättet.

Hier Hector im Filznest. Sieht zwar nicht so aus, aber er hat reichlich Platz drin.

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Hermes ist computeraffin, aber hat es nicht so mit Open Source: hier sieht man ihn, wie er ein kostenpflichtiges Windows-Update downloaden will. Er ist ziemlich klein, es handelt sich um ein 15-Zoll-Notebook.

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Außerdem sieht man ihn zusammengeringelt auf unserem Sofa kaum, die Farben sind fast ununterscheidbar.

 

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6 Gedanken zu „Hector und Hermes, ein ungleiches Paar

  1. Klara sagt:

    Katzen sind wunderbare Tiere! Ich bewundere Euren Mut Tiere aus dem Tierheim zu euch zu holen. Hoffentlich gewöhnen sie sich gut aneinander. Immerhin: ihnen wird so bald bestimmt nicht langweilig!

    Unsere beiden Brüder-Kater sind sich grad nicht ganz so grün, weshalb es hier zugeht wie im Zirkus. Manchmal sind sie mir peinlich, wenn sie so rumfauchen im Garten. Zum Glück gibt’s Büsche und Bäume nach Herzenslust! Es ist immer ein Schauspiel für unsere Kinder sie zu beobachten!

    Viel “Kuschel” mit euren neuen Hausbewohnern!

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    • LanArta sagt:

      Hallo, Klara,

      wir haben uns einige Kombinationen angesehen, so dass sich das Wagnis in Grenzen hielt. Immerhin gibt es schon ein Bild, wo sie zusammen drauf sind.

      Beides sind richtige Stubenhocker, obwohl sie die Möglichkeit haben, nach draußen zu gehen. Nicht einmal auf den Balkon wollen sie. Wie sie da zu ihrem Vit. D kommen sollen, ist ein Rätsel.
      Ich dachte, Geschwister seien einander verträglicher.  Die beiden sind jeder für sich sehr friedlich und seltsamerweise kennen sie anscheinend gar nicht, dass man mit ihnen spielt. weder Bälle noch Schnüre oder irgendein anderes Spielzeug begeistert sie. Wir haben auch ein Futterspiel beschafft, aber nachdem sie es zwei Tage nicht mal beschnuppert haben, wurde es wieder zurück geschickt.
      Am liebsten sitzen sie neben uns oder auf dem Schoß und lassen sich kraulen.

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  2. Connie sagt:

    Sieht aus, als ob sich die beiden schon gut bei euch eingelebt haben.

    Das wird schon noch mit den beiden. Oder aber auch nicht – zwei unserer drei Katzen sind sich nach 7 Jahren immer noch nicht gruen….

    Warum wurde es nicht Dickie? Eine scwarze Katze sollte in keinem Haus fehlen 😉

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    • LanArta sagt:

      Hallo, Conni,

      Dickie lebte schon recht lange im Tierheim, weil schwarze Katzen so gewöhnlich sind und niemand sie haben will.
      Die Heimleiterin kannte auch Hector schon vor der vorigen Adoption, wo er rausflog und meinte, im Katzenheim würde er bestimmt neurotisch, wenn er nicht schnell wieder in eine Familie käme. Auch Hector hätte wenig Chancen gehabt, als “gewöhnliche” Hauskatze.
      Immerhin zerfetzen sie sich nicht. Hector ist eifersüchtig, er war vorher Prinz und muss nun die Bezugspersonen teilen.

      Viele Grüße

      Michaela

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  3. Flora- sagt:

    Beide fühlen sich bei Euch schon sehr wohl.  Eine schöne Zeit mit ihnen.

    Eva

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    • LanArta sagt:

      Vielen Dank, Eva, ich denke auch, dass zumindest Hermes schon ganz zuhause ist. Bei beiden muss man aufpassen: sie überholen rechts oder links und man hat sie plötzlich vor den Füßen.
      Außerdem meint jeder, der andere habe etwas besseres im Fressnapf.
      Zum Glück sind beide keine Wildfänge, die über Tische und Bänke hopsen und Vasen oder ähnliches umschmeißen.

      Viele Grüße

      Michaela

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