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Alles verfilzt

Zwei Fliegen wollten mit einer Klatsche erledigt werden: zum einen sollte mein gesamtes Filzgarn verbraucht werden, zum anderen muss ein neuer Mitbewohner ein warmes Plätzchen bekommen.

Ein gefilzter Katzenkorb nahm alle Filzreste bis auf 70cm auf. Hier bewies es sich wieder einmal, dass man eher auf Erfahrungen aufbauen sollte als auf Anleitungen.

Letztes Jahr habe ich exakt nach Anleitung diese Filzstiefel gearbeitet. In diesem Beitrag im Stricktagebuch habe ich schon davon berichtet,  das Filzgarn mit Nadelstärke 6 wie angegeben verarbeitet zu haben. Es filzte nicht wie vorgesehen. Ich folgte jedoch der Anleitung, weil ich dachte, es könne nichts schiefgehen, wenn schon viele Projekte danach entstanden waren.

Nach meiner Erfahrung mit vielen Filzereien, muss zu Filzendes so locker wie möglich gestrickt werden, also mit sehr großer Nadelstärke, Minimum Nadelstärke 8mm bei einer Lauflänge von 100m/100g Garn. Wer fest strickt, sollte sogar Nadelstärke 9-10mm nehmen.

Ist auch logisch: wenn Wolle noch filzen soll, braucht sie dazu auch Platz. Wenn im Vorfeld schon zu fest gestrickt wurde, ist nicht mehr genügend Raum, in dem das Garn sich verdichten kann, wo soll es denn hin?

Letztens wurde mir erläutert, dass es gute und schlechte Filzgarne gäbe, also, dass schon der Handel Filzgarne mit kurzem oder langstapeligem Garn anbietet, wobei letzteres besser filzen soll.

Ich habe jedoch nun (wieder) die Erfahrung gemacht, dass dieser Faktor eher nachrangig ist. Dieser Katzenkorb wurde aus vier verschiedenen Garnen gefilzt: hochwertiges, langstapeliges Garn, billiges Garn, ein Garn, das dicker war als alle anderen Garne und gar nicht zum Filzen gedacht, und ein Rest eines Garnes, das doppelfädig verzwirnt war, jedoch als “reine Schurwolle” ausgezeichnet, darunter auch die Reste des misslungenen Projekts des letzten Jahres. Alles wurde in kraus rechts mit Nadelstärke 8 verstrickt und filzte “standfest”.

Gefilzt habe ich in der Maschine zusammen mit meinen Badeschuhen, Ballerinas mit Netzoberfläche und fester Sohle. Da ich nichts anderes filzte oder mitwusch, brauchte ich auch kein Netz zum Schutz vor Fusseln. Das nehme ich stets beim Filzen, wenn ich noch andere Sachen wie Jeans oder Handtücher mitwasche, damit sich die Wollfusseln nicht auf der anderen Wäsche absetzen.

Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis “Stricktechnik siegt über Materialschwächen”.
Der Schrumpffaktor betrug bei 60 Grad ungefähr 40%.

Wenn ich allerdings die Materialkosten berechne, so hat der Katzenkorb mehr als 25 € gekostet 🙄 , der schiere Luxus.

 

Hier also noch einmal zusammen gefasst:

  • Das Filzgarn muss nicht ausschließlich aus reiner Schurwolle bestehen, ich habe auch schon tolle Filzergebnisse bei einer Mischung von ca. 50/50 Schurwolle /Acryl erzielt. Das Garn darf jedoch keine Superwash-Ausrüstung haben, sondern Dochtgarn-Verzwirnung, also lose gedreht.
  • Stricken mit einer Nadelstärke, die ein nahezu löchriges Gewebe ergibt, damit das Garn auch Platz zum Schrumpfen hat. Je kleiner die Nadelstärke, umso geringer der Schrumpffaktor, umso weniger Standfestigkeit.
  • Wer sicher gehen will: Langstapeliges Garn nehmen; man erkennt es daran, dass es beim Abreißen des Fadens lange Fasern hat, keine kurzen Bruchstücke
  • In der Waschmaschine: Filzgut in ein Wäschenetz oder einen Kopfkissenbezug packen. Damit richtig geknetet wird: Tennisbälle, alte Turnschuhe, Jeans oder Handtücher dazu geben. Ich filze stets bei 60 Grad.
  • Kein Schleudern auf vollsten Touren, das gibt hässliche Knicke, die man nicht mehr heraus bekommt. Leichtes Anschleudern, den Rest Lufttrocknen.
  • Wer auf Maß filzen will: vorher eine Maschenprobe filzen und anhand des Schrumpffaktors umrechnen

 

 

 

 

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