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Wenn eine eine Frage stellt …

… dann kann sie was erleben.

Bei Ravelry gibt es eine Gruppe “Wolle und Spaß” . In einer Untergruppe widmet man sich der Reduzierung der Wollvorräte. Das Ziel der Gruppe lautet: aus den Beständen, die mindestens vom Vorjahr sind, maximal viel abzuarbeiten, also den Stash zu reduzieren.

Des weiteren kann man auch anderer Leute Stash verarbeiten und Wolle, die jemand anderes mal vor Zeiten bezahlt hat, auch wenn man sie von jemand anderem bekommen oder erworben hat. Die Grämmer und Meter werden monatlich mit Link auf die fertiggestellten Projekte aufgeschrieben. Man glaubt es nicht, aber es ist motivierend.
Wer mich kennt weiß: ich bin kein Wollsnob und verarbeite auch alles mir zugetragene gewissenhaft, weggeworfen wird nichts. Die Jahresstatistik dokumentiert meine Wollbewegungen, da könnte man zwar noch weiter ausdifferenzieren; aber hallo?! wem nutzt das?

Bedauerlicherweise habe ich einigen in der Gruppe “Wolle und Spaß” denselben verdorben. Mir fiel nämlich auf, dass die verschiedenen Mitglieder ihren Wollabbau ganz unterschiedlich berechnen. Nein, nicht dass da geschummelt würde, ich bin sicher alles wird ehrlich, sportlich und gewissenhaft notiert.

Aber: auf ganz verschiedene Weise.

  • Fall A: es wird einfädig gestrickt, ist trivial. Gewicht und abgearbeitete Meter sind einfach zu berechnen
  • Fall B: es wird mehrfädig gestrickt. Das Gewicht ist kein Thema, man kann nach Beendigung das Projekt abwiegen und gut ist.
    Nun wird es knifflig:

    1. Berechnet man so, als würde man mehrfach genommene Fäden wie einfädig verstricken?
    2. Werden die Fäden so berechnet als würden sie hintereinander gestrickt?Der Fall 2. ist trivial, denn das lässt sich wie oben rechnen.
      Aber: macht das auch Sinn?
      Ich verarbeite viele Konengarne, bei denen schon einmal 2000m/100g gehen. Ein Arbeitsstück von einem Kilo hätte dann eine verarbeitete Lauflänge von 20.000 Metern
      Für meine Arbeitsstücke nehme ich die Garne mehrfach, das kann schonmal auf die 8-10fache Stärke kommen. Wie soll dann die Gesamtlauflänge berechnet werden?
      Rechnen wie eine 8-fädige Wolle  verstrickt oder rechnen, als ob der Einzelfaden hintereinander genommen würde? Letzteres würde dann eine verbrauchte Länge von 160.000 Metern (oder 160km) ergeben. Man ahnt schon: das würde das Gruppenergebnis pro Monat stark verzerren.
      Dann könnten wir noch die Pikanterie hinzunehmen, die dünnen Einzelfäden hätten verschiedene Lauflängen …

Die Fragestellung, ob man nicht eine Regel entwickeln könne, nach der alle ihre Garnlänge berechnen, ging einigen erheblich auf den Schlitz. Da es bisher keine Regelung gab, stand die Berechnung in jederfraus Belieben. Andere stiegen in die Argumentation ein und es stellte sich heraus, dass es etliche unterschiedliche Methoden gab, die Gesamtlauflängen zu ermitteln.

Es gab auch Vorwürfe an mich “vorher sei niemand auf die Idee gekommen, so komplizierte Rechnungen anzustellen”. Ja, erst durch meine Frage kam überhaupt heraus, dass die Leute auf verschiedene Arten ihre verbrauchten Lauflängen ermitteln, so dass es auch zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen kommt.

Das ist natürlich weder richtig noch falsch, gut oder schlecht, präzise oder unpräzise. Da es vorher keine Regel gab, ist alles, was gemacht wurde, gleichwertig.
Und natürlich stelle ich den Anspruch, dass die gleiche verstrickte  Menge an Garn mit derselben Lauflänge verstrickt auch am Ende ein annähernd gleiches Ergebnis hat.

Ich habe mit einer anderen Mitstreiterin durch viele Rechenbeispiele bewiesen, wie man die verbrauchte Länge annähernd so berechnet, dass die Ergebnisse vergleichbar sind. Das hat einige genervt, nicht jede möchte solche Rechnereien – haben sie auch noch soviel Beweiskraft – vorexerziert bekommen.

Meine Vorstellung war also, man möge eine Berechnungsmethode vorgeben, nach der sich alle richten können, ich würde mich gerne an jede anpassen, genauso, wie ich mich auch an die anderen Regeln halte. Dazu gab es drei Vorschläge

  1.  Man summiert das, was auf der Banderole steht. Also: drei gleichzeitig verstrickte 100-g-Knäuel à 300 m werden berechnet, wie hintereinander gestrickt, das ergäben 900 verstrickte Meter.
  2. Drei gleichzeitig verstrickte Knäuel werden berechnet wie “dreifädig”, also berechnet man 300 verstrickte Meter.
  3. Drei gleichzeitig verstrickte 100-g-Knäuel werden in eine Garnklasse eingestuft (siehe untere Tabelle) und anhand der Meterangabe berechnet, das ergäbe 330 Meter
    Man erkennt klar die Unterschiede im Ergebnis bei den Methoden.

Die Tabelle stammt von Wikipedia, Draufklicken vergrößert

Bei der Methode 3 stufe ich das zusammengenommene Garn beispielsweise bei 110m /100g ein und berechne dann die Gesamtmeterzahl anhand der 300g.

Mit wenigen und dickeren Fäden kommt man mit Methode 2 gut klar, man erkennt aber schon die Grenzen, wenn die Garne unterschiedliche Lauflängen haben.
Methode drei wäre ganz klar mein Favorit, wenn ich viele Fäden ganz dünnen Garns berechnen wollte oder unterschiedliche Lauflängen zusammennehme. Das gibt ein realistisches Bild der abgearbeiteten Laufmeter. Wenn ich also das o.g. Beispiel mit den 160 km heran ziehe, geben die 8 Fäden zusammengenommen ein Garn mit ca. 320m/100g, und bei verbrauchten 1000g hätte ich  plausible 3200m Laufmeter verarbeitet und keine 160km.

Um der Debatte ein Ende zu bereiten, hat sich die Forumsleitung des Themas angenommen, das ich so unerwartet und für einige auch sehr lästig aufgeworfen habe, ich bin gespannt auf das Ergebnis, wie zukünftig berechnet werden soll.

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2 Gedanken zu „Wenn eine eine Frage stellt …

  1. Michaela sagt:

    Hallo, Angela,

    oh, ja, eine Sybille und ich haben die anderen mit unserer Rechnerei platt gemacht, wobei Sybille mir an einer Stelle einen Denkfehler nachgewiesen und mir das auch nochmal vorgerechnet hat. Und Sybille hat meine Auffassung als eine der wenigen geteilt. Das war im Grunde ein schöner “wissenschaftlicher” Austausch mit spannenden Argumenten.
    Der Fehler war, dass wir viele komplett abgehängt haben, weil sie dachten, ich fordere demnächst, alle vollzögen demnächst das Gleiche wie ich.

    Es war harte Arbeit, die Gruppe davon zu überzeugen, dass ich sogar eine völlig unplausible Methode mitmachen würde, vorausgesetzt, sie werde festgelegt und von allen anerkannt (und umgesetzt).

    Dass mir der Vorwurf komplizierter Rechnerei gemacht wird, nehme ich hin. Aber die Vorhaltung, nur ich würde mit so vielen Fäden stricken und den ganzen Gruppenspaß damit in Frage stellen, die wollte ich doch klargestellt haben.
    Wobei ich meine Rechnerei noch nicht mal besonders aufwändig finde: andere vollziehen komplexe Aktionen und wiegen jedes Knäuel oder jede Kone und rechnen die Differenz zum Verbrauch. Alles machbar, und alles nicht verkehrt – wenn man dann am Ende auf ein näherungsweise ähnliches Ergebnis kommt 🙂

    Antworten
  2. Angela sagt:

    ich hau mich weg vor Lachen…. du hast also den “Wisschenschaftstroll” gegeben?!

    Ich konnte leider die Gruppendiskussion nicht finden…. aber macht nix, ich kann mir das lebhaft vorstellen anhand deines Blogbeitrages hier.

    Großartig!

    Antworten

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