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Ich nehme an der Olympiade teil!

Meine “Konkurrent*innen” sind alle Handarbeitsfrauen und -männer, die ebenfalls parallel zu den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang Projekte werkeln. Ich gehöre dem Team Germany an und habe erst einmal eine Weile gebraucht, um die Regeln zu begreifen.
Die Handarbeitsspiele heißen “Ravellenics”, da der gesamte Ablauf über Ravelry läuft. Schon der Name hat eine Geschichte. Als man bei Ravelry mit den Handarbeitsspielen begann, hießen sie noch Ravelympics. Seltsamerweise wurde man auf diese Aktion aufmerksam – ich sage nur: findige Rechtsanwälte, die sich auf Urheberrecht und Copyright spezialisiert haben. Sogleich waren die Ravelry-Betreiber*innen damit konfrontiert, dass der Name zu sehr an die “wahre” Olympiade erinnert und man Abmahnung riskiere, würde dieser weiter benutzt werden. Daher heißt der Wettbewerb nun Ravellenics und die in diesem Zeitraum hergestellten Projekte müssen mit “ravellenics2018” in der eigenen Projektliste bei Ravelry getagged werden.
Um diesen Unsinn mit der Namensänderung noch zu steigern, mussten die Kapitäninnen des Ravellenic-Forums noch ausdrücklich und schriftlich bei den Statuten betonen, dass die Handarbeitswettbewerbe nicht zu den Disziplinen der Olympischen Spiele gehören. Wie weit kann Verstand abgleiten? Naja, in einem Land, wo man Prozesse wegen eines abgebrochenen Fingernagels führt …

Die Statuten sind relativ komplex, auch ich habe erst eine Weile gebraucht, um mich zurechtzufinden, wie man Medaillen und Lorbeeren erwerben kann.
Start ist der 9. Februar 2018 zur Startzeit in Pyeongchang um 20 Uhr, hierzulande darf man schon früher beginnen, wegen der Zeitverschiebung um 12 Uhr. Natürlich muss man dann auch früher aufhören, genau dann, wenn in Pyeongchang die Schlussveranstaltung ist.

Wie geht es vor sich?

  • Man stellt ein Projekt in die eigene Projektliste und tagged es mit “ravellenics2018”
  • Es erscheint ein Menü, in dem man sein Projekt einer Disziplin zuordnen kann, beispielsweise “Kleidung, Decken, Unfertige Projekte, Handschuhe, Mützen, Schals”, etc. Hier kann man bei rechtzeitiger Fertigstellung Medaillen bekommen. Ein Projekt kann nur in einer einzigen Medaillen-Disziplin angemeldet werden und muss mit “event…” gekennzeichnet werden. Da ich einige angefangene Projekte beenden will, kennzeichne ich diese mit “eventwip”, wip als Bedeutung für “work in progress” oder Werk in Arbeit.
  • Man kann sogar listen, wie viele Projekte man wieder auftrennen will, für mich kommt das nicht in Frage.
    Beim Durchlesen der Postings im Ravellenics-Kommitee las ich von einer Teilnehmerin, die 55 Projekte aufribbeln will. Und ich dachte schon, ich wäre mit meinen vielen laufenden Projekten eine Exotin. Zumindest für diejenigen, die artig Strickstück für Strickstück beenden und erst ein neues beginnen, wenn das vorige fertig ist.
  • Dazu gibt es Lorbeeren, die erwoben werden können, beispielsweise für bestimmte Techniken, wie zum Beispiel Zöpfe, Charity, Lochmuster, Spinnen, Entrelac, etc. Lorbeeren kann man so viele wie möglich anklicken.
  • Zur Medaillenverleihung muss das Projekt als “beendet” gekennzeichnet sein und natürlich ein Beweisfoto vorliegen.
  • Von “Doping” ist nicht die Rede. Natürlich kann man die eigene Power steigern, mit allem, was der eigenen Strick- oder Häkelgeschwindigkeit dient und der Sorgfalt nicht abträglich ist, wie die legalen Drogen Kaffee, Schokolade, Rotwein und dergleichen. Meine Abhängigkeiten halten sich in engen Grenzen.

Warum ich daran teilnehme? Hier liegen um die 15-20 angefangene Projekte, und ich will mich bemühen, einige fertigzustellen. An Knitalons (KALS), also gemeinsam gestrickten Projekten nehme ich nicht teil, aber von der Olympiade verspreche ich mir das ein oder andere Fertigstellen von Unvollendeten.
Man tritt also nicht gegen andere an, sondern gegen sich selbst, oder für sich selbst.
Meine Projekte sind zwei Häkeldecken und eine Mütze.

 

Jeweils aufs Bild klicken vergrößert
Eine der beiden Häkeldecken ist eine Sammlung etlicher Einzelknäule aus Spenden oder eigenem Restgarn, bei denen ich einen Mohairfaden aus dem Doppelklapp mitlaufen lasse. Dabei nehme ich zwischen einem und zwölf Fäden auf Nadelstärke 7. Die Breite beträgt 130 cm, die Länge wird ca. 180cm, je nachdem, was die Reste hergeben. Das Korbmuster aus Reliefstäbchen gibt der Decke eine schöne Struktur. Sehr praktisch: Immer, wenn ein Faden zuende ist, kann man das nächste Garn anknüpfen. Die Decke ist wieder für einen bedürftigen Menschen in Burkina Faso und wird eines seiner wenigen Besitztümer sein.

 

Ebenso geht eine zweite Decke in die Spendenkiste. Sie wird aus Spendengarn auf Konen gearbeitet. Hier möchte ich Tunesisches Häkeln ausprobieren. Die Decke wird in vier Paneelen gearbeitet, die dann zusammengefügt werden.

Von diesem Poncho habe ich noch Garn übrig, sowie Einzelknäule in anderer Farbe. Daraus soll eine Spiralenmütze aus dieser Anleitung werden. Dieses Muster habe ich von Helga geschenkt bekommen, die erkannt hat, wie sehr ich Spiralmuster liebe. Das Garn muss ich wohl doppelt nehmen, damit die Mütze den Stand bekommt, der auf den Abbildungen zu sehen ist. Damit fange ich erst zu den Spielen an.

 

So sieht mein Ravatar für die Zeit der Ravellenics aus

 

 

 

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2 Gedanken zu „Ich nehme an der Olympiade teil!

  1. Angela sagt:

    Go!

    Go!

    Go!

    danke auch für diese Aufbereitung eines komplexen Sachverhaltes 😉

    Es ist faszinierend, wie schnell relativ einfache Dinge immer in Regelwust ausarten. Offenbar betrügen wir Menschen all zu gern – oder warum sonst muss man alles in Regeln packen (deren Einhaltung natürlich kontrolliert wird und ggf. erfolgen Sanktionen)

    Nein, ich schreibe jetzt nicht noch über das Arbeiten in einem wachsenden Startup…. damit habe ich grade täglich zu tun, wie das Wachstum das Einführen von Regeln erforderlich macht… Spannend!

    Antworten
    • LanArta sagt:

      Hallo, Angela,
      danke für deine Anfeuerungsrufe!
      Das hat schon genützt, ein Projekt ist fertig. Wegen einer Grippe-Epidemie ist gestern ein Treffen ausgefallen, und das kam der Decke zugute. Gleich nach Fertigstellung kam sie in die 40°C-Wäsche, was einige Fasern wunschgemäß schrumpfen ließ und eine dichtere Struktur erzeugte.

      Ich kann dir nur zustimmen: der Bedarf an Regelungen scheint zu steigen, immer weniger Leute scheinen ein Gespür dafür zu haben, was geht und was nicht. Ich habe noch nicht herausbekommen: ist es ein Mangel an Wissen, an Gemeinschaftsgefühl oder einfach die Tendenz zu egomanischem Verhalten.

      Ich habe ein hübsches Beispiel für “chaotisches” Verhalten. Zwischen den Jahren sind wir immer an einem großen Internationalen Kongress, das letzte Mal in Leipzig.
      Bei der Essensausgabe für die freiwillen Helfer stehen teilweise über 1000 Leute in einer Schlange, ohne Drängeln, ohne Schubsen, ohne Regelung. Ich hörte ein Gespräch zwischen Hallen-und Hausmeistern des Inhalts, wie erstaunt man über die Disziplin der “Chaoten” sei. Die reparieren alles selbst, die sind superfreundlich und höflich, die stellen keine Ansprüche, die putzen den Dreck weg, die stehen mit Disseplien Schlange, man habe mehr als die Hälfte der Putzkräfte wieder abbestellt und der Dienst zwischen den Jahren sei ein Genuss. Ganz anders als bei den üblichen Kongressen – man nannte Beispiele – wo man den Eindruck hat, keiner sei durch irgendeine Kinderstube gegangen, da sähe es täglich aus, wie auf einem Trümmerfeld und Besucher, sowie viele Aussteller beandelten einen wie den letzten Dreck.
      Da scheint eine gewisse Selbstregelung bei vermeintlichen Chaoten noch zu funktionieren, die in einer geregelten oder vielleicht sogar überregelten Gesellschaft aus irgendwelchen Gründen außer Kraft geraten.

      Es scheint auch so zu sein, dass das “Team Germany” keinen so hohen Regelungsbedarf hat. Im amerikanischen Thread hingegen werden Fragen gestellt, die in winzigste Details gehen. Ich bewundere die Geduld der Kapitäninnen, die alles mit ausgeprägter Geduld beantworten.

      Im Alltag habe ich auch den Eindruck, dass manche Regeln einen hohen Kontrollaufwand benötigen. Das ist richtig, wenn es um Leib und Leben geht.
      Bei einem Startup kann ich mir gut vorstellen, dass der Regelbedarf mit dem Wachsen ebenfalls zunimmt.

      Antworten

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