Springe zum Inhalt

Ich lern’ gern

 

Vor allem, wenn die Lehrerin kompetent und unkompliziert ist.

Jasmin Laurenzis, Mittelalter-Expertin und erfahren in der Webkunst, bot mir an, meinen Schulwebrahmen in Betrieb zu nehmen. Ich nahm Kurs auf den Nachbarort, in dem die Fachfrau auch Führungen macht. Bei ihr zuhause bestaunte ich erst den Garten mit seltenen Hühnerrassen und ihre Webstühle und Spinnräder. Ich war so beeindruckt, dass ich keine Bilder machte. Auch ihre mittelalterliche, selbst angefertigte Kleidung hinterließen Faszination und weckten den Wunsch, unmittelbar selbst tätig zu werden.

Das Ziel war, nicht erst Mini-Webstücke anzufertigen, mit denen ich sowieso (noch) nichts anzufangen wüsste, sondern gleich zu lernen, wie man die Kette für einen Schal aufzieht. Bestimmt fände sich auch ein geeignetes Video im Netz, aber live und in Farbe, sowie interaktiv ist mir am liebsten.

Jasmin stiftete das Kettgarn, die Kette wurde aufgezogen, die Ränder mit doppeltem Faden, es gab einige hilfreiche Tipps, dann konnte es losgehen. Anfangs hupften mir noch Fäden aus dem Gatterkamm, aber nach und nach zeigte sich das Gewebe. Jasmin beschrieb, wie ich die ersten Reihen sichern sollte, bevor ich das Gewebe aufwickle, um wieder mehr Kette zu bekommen. Das musste dann allerdings zuhause geschehen, war aber kein Problem.

Nach einigen Zentimetern stellte ich fest, dass der Rand zwar keine Taille bekam, aber immer lockerer wurde. Da – und nicht nur da – ist noch einiges Lernpotential. Mit dem Lockerwerden des Randes verdichtete sich jedoch die Mitte immer mehr.

Und urplötzlich war das Garn fast zuende, ein Regia-Sockengarn unbekannten Typs, das die Verkäuferin des Webrahmens dazu legte. Ich schätzte ab, wieviel Kette noch vorhanden war und wob zwei Streifen in handgefärbtem Sockengarn, bevor ich den Rest Regia aufbrauchte. Dann war auch die Kette am Anschlag. Wie von Jasmin empfohlen, nähte ich auch hier ab. Den Stich kannte ich aus meiner Kindheit, da musste ich im Handarbeitsunterricht Hohlsaum lernen. In seltenen Fällen erweist sich, wie das ein oder andere aus der Schulzeit doch irgendwann Nutzen zeigt.
Mit Schneiderknoten sicherte ich die Kettfäden zu Fransen, und dann ab in die Wäsche.

Mit meiner ersten Webarbeit bin ich ganz zufrieden. Das ist ausbaufähig. Jetzt muss das Gelernte auch gefestigt werden, will heißen: selber lange Kette aufziehen und verarbeiten. Ich hoffe, Jasmin hat noch ein Stündchen, in dem sie mir zeigt, wie man diesen lummeligen Rand vermeidet.

Den kleinen Schal bekommt eine meiner Nichten, die ist noch in dem Alter “Pink geht immer”.

Schulwebrahmen bekommt man recht preisgünstig über die Kleinanzeigen des großen Auktionsportals, ich habe für meinen 8 € gezahlt und konnte ihn im Nachbarort abholen.
Beispielhaft für andere Webseiten bzw. Videos sei diese Homepage der “Schiffchenschieberin” genannt, bei der die Grundlagen des Webens schön dargestellt werden.

 

6 Gedanken zu „Ich lern’ gern

  1. Bianca sagt:

    Huhu! Der Schal ist wirklich sehr sehr schön geworden! Bin auf weitere Webereien gespannt 🙂
    die schiffchenschieberin

    Antworten
    • LanArta sagt:

      Hallo, Bianca,

      ich freue mich über dein Lob – von der Schiffchenschieberin selbst – vielen Dank!
      Das Garn ist schon gerichtet, ein Farbverlaufsgarn, ich bin selbst gespannt, wie das aussehen wird.

      Antworten
  2. Connie sagt:

    Den Schulwebstuhl brauche ich nicht zu erstehen – der wurde nach meiner Schulzeit nicht entsorgt, sondern von meiner Mutter aufgehoben….

    Für den ersten Versuch sieht das doch schon sehr gut aus – Übung macht ja bekannterweise den Meister.

    LG
    Connie

    Antworten
    • LanArta sagt:

      Hallo, Connie,
      es muss unbedingt noch geübt werden, es macht auch Spaß.
      Vermutlich schlummern unzählige alte Webrahmen auf Dachböden oder sorgsam verpackt. So viele, wie ich bei den Kleinanzeigen gesehen habe, müssen die damals massenhaft in Verwendung gewesen sein. In meiner Umgebung habe ich nie welche gesehen.
      Viele Grüße

      Michaela

      Antworten
  3. Steff sagt:

    Zum Thema Weben auf dem Schulwebrahmen (vorallem Schals) kann ich noch einen weiteren Blog beisteuern:
    https://strick17.blogspot.com/
    Der Blog ist schön zu lesen und man kann wirklich gute Tips und Tricks zum Thema “Weben” finden. Ausserdem finde ich es genial, dass Maliz je nach Jahreszeit zwischen Deutschland und Schweden pendelt. So erzählt sie auch viel aus Schweden. Für Fans des Nordens einfach wunderbar.

    Für deine Schalweberei viel Erfolg. Das einzige, was mir einfiele, wäre, dass das Kettgarn sich noch gedehnt hat und so irgendwie die seltsame Verteilung des Schusses zu Stande gekommen ist. Wenn beide Garne (Kette und Schuss) sich sehr zusammenhaken beim weben, werden ja die äusseren Fäden doch etwas mehr beansprucht, da man das Schiffchen nicht immer perfekt waagerecht durchfädelt, sondern angeschrägt.
    Nagel mich nicht drauf fest, es einfach der erste Gedanke, der mir gekommen ist, als ich deinen Beitrag gelesen habe.

    Antworten
    • LanArta sagt:

      Hallo, Steff,

      danke für deinen Beitrag!
      Uiuiui, der Blog von Maliz ist wirklich ein Genuss zu lesen, danke für den Tipp. Ich habe mich regelrecht festgelesen. Klasse, dass sie den Schulwebrahmen noch einsetzt, obwohl sie doch in der Profiliga spielt.

      Das Kettgarn war ein Wollgarn und das ist schon möglich, dass es sich gedehnt hat. Als blutigste Anfängerin gehe ich jedem Hinweis nach. Ich danke dir und werde das beim nächsten Projekt in jedem Fall beobachten. Macht ja nichts, wenn die Lernstücke nicht perfekt sind, man kann daran prima nachvollziehen, was falsch gemacht wurde.
      Jetzt muss erst der Nichtenpulli gestrickt werden. Sie hat mir schon so viele Winke mit dem Zaumpfahl erteilt, dass ich schon ganz wuschig bin.

      Viele Grüße

      Michaela

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.