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Wie doof kann man sein?

Ich fand die Anleitung erst mal bescheuert. Dreimal mühte ich mich ab, einen Anfang für dieses Modell, den Shusui-Shrug zu finden. Es sah jedes Mal anders aus und ähnelte nicht im mindesten den Abbildungen, die man bei den Projekten auf Ravelry untersuchen konnte. Bin ich etwa zu blöd, einer Anleitung zu folgen oder ist die Anleitung unzulänglich? Immerhin ist sie auf deutsch, ich kann mich also nicht auf fehlerhafte Übersetzung rausreden.

Ich schnaubte Wutwölkchen und setzte mich wieder dran. Buchstabe für Buchstabe befolgte ich die Anweisungen, und tatsächlich erzeugte ich ein Gebilde, wie es sein aussehen sollte. Na also – geht doch. Zähneknirschend leistete ich der Designerin Abbitte, die Anleitung ist wirklich gut formuliert. Ich scheine einfach nicht in der Lage, Zeile für Zeile einer Anleitung zu folgen, ich bin der Typ, der bei Schemata oder Diagrammen auf einen Blick sieht, was zu tun ist.

Nach 10 cm gefiel mir aber die Optik nicht: ich vertauschte Haupt- und Nebenfarbe, insbesondere war das notwendig, um die Garnvorräte entsprechend zu verteilen, vom farbigen Garn hatte ich zuwenig, Nachkauf ausgeschlossen, es geht um Vorratsreduktion. Dafür gab es eine Kone reines Wollgarn in schäfchenweiß, das ich im Elsass erworben hatte, 350g für 10,50 €, die Lauflänge etwas höher als beim DROPS-Delight-Garn, der Farbverlaufswolle, aber nicht störend.

Nun gefiel mir zwar die farbliche Optik, aber der knubbelige Start konnte optimiert werden. Statt des vorgegebenen Maschenanschlags nahm ich Emily Ockers Anschlag, der sich bei Abertausenden von runden und halbrunden Projekten bewährt hat, besonders wegen der Einfachheit der Durchführung und ohne Hedder, Gestocher in engen Randmaschen oder sonstige Widerstände.

Der lila Steg wurde mit dem Anschlag von Emily Ocker erzeugt. Man erkennt auch die Vorderteilkanten, die immer abwechselnd durch die Haupt- und die Nebenfarbe erzeugt wurden
Der lila Steg wurde mit dem Anschlag von Emily Ocker erzeugt. Man erkennt auch die Vorderteilkanten, die immer abwechselnd durch die Haupt- und die Nebenfarbe erzeugt wurden

Wenn man die Mascheneinteilung schließlich bewältigt hat, ist es ein gemütliches unaufregendes Stricken im zweifarbigen Patent, das hier schon beschrieben wurde. Die vielen Maschenmarkierer, die am Anfang wichtig sind, können bald auf zwei Stück reduziert werden, wenn man den Rhythmus heraus hat. Man strickt  mit Zunahmen an immergleichen Stellen. Der „Ärmelverlauf“ wird durch eine Lochleiter betont. Schließlich kommen zwei Ärmelchen dran, die verhindern, dass die große Fläche von den Schultern rutscht. Ich hatte sie erst im Muster weiter gestrickt, also bunt mit hellem Hintergrund, jedoch sah das nicht gut aus: der lange Farbwerlauf wechselte nicht gut an den kurzen Ärmelumfängen. Da ich vom hellen Garn ohnehin mehr hatte als vom bunten, blieben sie weiß, mit buntem Kordelabschluss.

 

 

 

Was ich schon einmal beobachten konnte: strickt man Patent in der Runde, dreht sich der Schlauch spiralartig, auf dem Bild an der Büste, ungewaschen, kann man das noch erkennen. Hin- und hergestrickt verlaufen die obenaufliegenden Maschen gerade.
Mit kräftigem Spannen nach der Wäsche im noch feuchten Zustand bekommt man das Ärmelchen auch gerade.

Die Ärmel wurden gestrickt, bevor ich den gesamten unteren Bereich am Stück arbeitete, so konnte ich mein Vorhaben abschließen, das helle Garn völlig aufzubrauchen. Beim DROPS-Garn beendete ich einfach mit einem Knäuel aus einer anderen Farbe, fällt gar nicht auf, weil ich einen Übergang im gleichen Farbton genommen habe.

Wer es noch nicht weiß: Patent dehnt sich, vor allem in die Breite. Die Länge, die einem erst ganz kurz vorkommt, legt nach der Wäsche auch noch zu. Wer das Modell ebenfalls aus seinem Vorrat nacharbeiten will, sollte im Auge behalten: Glattere Garne wie Merino, Seide, Baumwolle, Viscose längen sich eher, rauere Garne und Wolle kletten sich mit den Fasern aneinander und halten die Form. Mein Strickwerk ist nicht wesentlich länger geworden, ich habe es aber auch zum Trocknen nicht gespannt, sondern einfach an der Schneiderpuppe aufgehängt.
Insgesamt hat der Ärmelschal 520g Garn geschluckt, mit Nadelstärke 4mm verarbeitet. Die letzten Reihen zogen sich mit über 500 Maschen etwas hin, aber nebenbei kann man ja lesen oder sich in ein Hörspiel vertiefen. Ich habe schon das nächste Projekt „vorgedacht“, aus einem Garn, das auch schon lange auf Verarbeitung wartet.
Die Patentmusterphase scheint vorbei zu sein, mir ist nach Quadraten und Rechtecken.

Diese Tuchweste / der Ärmelschal muss „für sich“ getragen werden, oder mit verknoteten Ärmeln über Jacke oder Mantel, wovon es aber noch kein Bild gibt.

Vor dem Waschen
Vor dem Waschen
Nach dem Waschen

 

 

Unser Kater Yoda liebt das Tuch besonders, vor allem, wenn man ihn dabei auf dem Arm trägt. Daher waren Bilder ohne ihn fast unmöglich.

Hier nochmal zwei Rückansichten, links gewaschen, rechts ungewaschen
Hier nochmal zwei Rückansichten, links gewaschen, rechts ungewaschen.

 

2 Gedanken zu „Wie doof kann man sein?

  1. Anna sagt:

    Das ist ja wirklich toll geworden – feiner Schnitt. Besonders schön übrigens die Bilder mit Kater , wie ein Baby im Tragesack Yoda sieht aus. Möge mit ihm sein allezeit die Weisheit.

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    • LanArta sagt:

      Hallo, Anna,

      danke. Die großen Löcher (wofür man die Maschenmarker tatsächlich braucht) waren etwas gewöhnungsbedürftig, betonen den Schnitt aber noch.

      Ja, unser Yoda bei der Weisheit und der Schönheit nicht sehr laut gerufen hat. Zumindest ersteres hat er das gut verborgen. Aber er ist ein lieber Kerl, ein richtiger Streicheljunkie und daher auch in der Nachbarschaft ziemlich beliebt.

      Antworten

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