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Flechtmuster oder Entrelac – Neue Technik

Wer ungefähr ein Dutzend Projekte gleichzeitig am Start hat, muss sich nicht wundern, wenn über längere Zeit nichts fertig wird.
Das Projekt Fortunatus von letzter Woche ist fertig gestrickt, das Zusammennähen habe ich nicht geschafft, weil ich gerne die einzelnen Schritte dokumentieren möchte, bei Tageslicht fotografiert. Ungeschickt von mir gewählt, haben die Farben ähnliche Graubereiche, so dass man die Unterschiede der Flächen bei Kunstlicht schlecht sieht. Kunstlicht deshalb, weil ich frühmorgens im Dunkeln zur Arbeit fahre und wieder im Dunkeln heimkehre.

Derweil habe ich bei einem Projekt weiter gemacht, das ich bereits im letzten Jahr im September gestartet habe. Bei einem Treffen bei Birgit mit Eva, Birgitta, Heidrun und Hannelore habe ich die Technik erstmals vorgeführt, keiner kannte sie, so dass ich mir sicher bin, dass dies hier in Deutschland eine Uraufführung ist. Wenn nicht, lasst es mich bitte wissen und sendet einen Link.

Worum geht es überhaupt?
Viele von euch kennen das Flechtmusterstricken oder Entrelac im Strickjargon. Eine feine Technik, mit der man tolle Effekte erzielen kann. Ich habe in den 80-ern und 90-ern etliche Restepullover in der Technik gestrickt, z.B. diesen und hier.
Was mir daran jedoch noch nie richtig gefallen hat, waren die Übergänge beim Zusammenstricken. Und diese Übergänge wollte ich schöner haben. Dafür habe ich eine Technik genommen, bei der die Teile nicht zusammengestrickt, sondern verkettet werden. Kein großer Aufwand, aber ein größerer optischer Unterschied. Ist euch schon einmal aufgefallen, dass viele Entrelac- oder Flechtmusterprojekte in Garnen gestrickt sind, bei denen die Übergänge nicht so auffallen? Das hat häufig den Grund, die Stellen zu kaschieren, wo die beiden Rechtecke aufeinander stoßen. Eine flauschige Wolle oder ein Garn, wie z.B. von Noro, wo in jedem Farbbereich Fasern aller Farben vereinigt sind, nivelliert große Unterschiede.
Bei besonders elastischen Garnen verschwinden die Anstrickränder auch im eingerollten Bereich, je nach Garn wirken die Flechtmuster ja sehr plastisch, leider oft nur bis zur ersten Wäsche.

Je nach Technik haben wir unterschiedliche Arten des Aufeinandertreffens.
Wir kennen im wesentlichen zwei Methoden, mit denen die Rechtecke gestrickt werden, ich beziehe mich hier auf Anleitungen aus Strickbüchern und dem Internet. Absichtlich nenne ich keine Herkunft, schließlich möchte ich nicht über die Instruktionen schimpfen, die jemand mit viel Mühe zu Papier gebracht oder gefilmt hat, sondern es geht um die jeweilige Optik der Technik, die keinem Urheberrecht unterliegt, sondern aus der Stricktradition erwachsen sind.

Methode 1: die Rechtecke werden mit Knötchenrand gestrickt oder mit Rand, bei der die Randmaschen immer gestrickt, nie abgehoben werden. Auch nach dem Zusammenstricken werden die Randmaschen immer gestrickt
Methode 2: die Rechtecke werden mit Kettrand gestrickt, nach dem Zusammenstricken der Rechtecke wird die Randmasche abgehoben.

Die Maschenprobe wurde nach zwei herkömmlichen Methoden gestrickt, und zwar absichtlich mit einer Baumwolle, die Unregelmäßigkeiten gnadenlos zeigt.
Hier sieht man, wie die Ränder jeweils wirken

 

Beim Kettmaschenrand (die oberen beiden Kreise, klicken aufs Bild vergrößert) guckt immer die andere Farbe durch, an der Stelle, wo die beiden Flächen aufeinander treffen.

 

 

Der Knötchenrand, bzw. da, wo beim Rand jede Randmasche gestrickt wird, wie sie erscheint, gibt es Knubbelchen.

 

 

 

 

Auf der Rückseite sieht man es auch: links der Knötchenrand, rechts der Kettmaschenrand, der von der linken Seite gar nicht übel aussieht.

Kettmaschenrand
Knötchenrand in Braun

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Und so sieht die Rückseite bei meiner Technik aus

 

Hier noch im Detail:

Nun ist die Rückseite ja weniger spannend als die Vorderseite, aber auch die kann sich sehen lassen: weder gibt es kleine Knötchen, noch grinst die andere Farbe durch. Der Randmaschenbereich ist sehr regelmäßig, abgesehen von meiner eigenen strubbeligen Strickweise mit Baumwolle.

 

Diese Technik lässt sich natürlich auch anwenden, wenn man einzelne Streifen so aneinander fügen will, dass der neue Streifen während des Strickens an den alten angestrickt wird. Strickt man die beiden Seiten zusammen, entsteht eine kleine Wulst, weil an dieser Stelle zwei Maschen übereinander liegen, entweder mit einer obenauf liegenden rechten oder linken Masche.

Will man das vermeiden, nimmt man an der Kante des Ursprungsstreifens eine Reihe Maschen auf und strickt den neuen Streifen so daran, indem man am Ende des neuen Streifens die letzte Masche mit der aus dem Rand aufgenommenen Masche zusammen strickt. Hier hat man jedoch eine Furche durch die Abstandsreihe, der neue Streifen schließt also nie richtig dicht an.
An diesem Bildausschnit eines Bildes in verkürzten Reihen kann man die Furchen, welche die einzelnen Abschnitte senkrecht unterteilen, erkennen.

 

Meine Methode schließt die Reihen dicht an dicht, ohne Furchen.
Und nicht nur das: man kann auch Streifen von links anstricken, ohne Wulst, ohne Furche. Das bedeutet, dass man nicht darauf angewiesen ist, sein Strickstück, beispielsweise einen Pullover mit Streifen von links her anzulegen, sondern man kann von jeder Seite anstricken.

Es sieht genauso aus, als würde man in Intarsientechnik mit drei Farben gleichzeitig drei Streifen stricken

Streifenk

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

9 Gedanken zu „Flechtmuster oder Entrelac – Neue Technik

  1. Mirko sagt:

    Huhu

     

    super sache habe es getestet und verzweifel, ich dachte immer Männer können nicht so komisch denken aber es geht.Ich habe mehrere Methoden versucht und kriege es nicht hin habe immer eine häßliche wulst 🙁 Ich würde mich über hilfe so dolle freuen weil ich mag meine Nadeln nicht in die ecke werfen :(. Danke und kniefall schon im vorraus

    Lg Mirko

    Antworten
    • LanArta sagt:

      Hallo, Mirko,
      ich muss dich genauso enttäuschen, wie Raphaela. Für eine ausführliche bebilderte Beschreibung oder ein Video brauche ich mindestens einen halben Tag. Und dann veröffentliche ich es für alle, nicht für einzelne Personen.
      Ich wünsche dir viel Geduld. Und Vielleicht entwickelst du ja eine tolle Trchnik, die noch viel besser aussieht. 🙂
      Viele Grüße

      Antworten
  2. Raphaela Blumenbunt sagt:

    Ich meine, wie du es machst, dass du Streifen so aneinander „kettest“, dass es so schön aussieht an den Kanten. Ich bräuchte deine Hilfe ziemlich kurzfristig. Könntest du es vielleicht versuchen, das in Worten zu erklären? Ich wäre dir wirklich sehr dankbar dafür.

    Viele Grüße,

    Raphaela

    Antworten
    • LanArta sagt:

      Raphaela, ich habe dafür wirklich keine Zeit. Zwölf Stunden bin ich wegen der Arbeit außer Haus, dazu kommen Ehrenämter und familiäre Aufgaben.
      Den Rest der Zeit möchte ich ohne weitere Verpflichtungen verbringen. Eine verständliche Erklärung auszuarbeiten dauert zu lange. Bitte haben Verständnis und guugle nach „Streifen zusammenstricken“ oder ähnlichem. Keine Ahnung, wie man das sonst so nennt.

      Viele Grüße

      Michaela

      Antworten
      • Raphaela Blumenbunt sagt:

        Guten Morgen Michaela,
        das habe ich gestern den ganzen Abend getan — aber ich habe leider nichts passendes gefunden, was so gut aussieht, wie auf deinen Fotos. Und dabei hatte ich mich so gefreut, dass ich deine ausführlichen Anfangsbeschreibungen gefunden hatte. Nur leider kam dann ja keine Erklärung dazu, WIE du das so schön gemacht hast. 🙁

        Schade, aber wenn du keine Zeit dafür hast, mir das zu beschreiben, dann kann ich wohl nichts tun, außer es selber auszutüfteln.

        Ich danke dir trotzdem für deine Antworten und wünsche dir alles Gute.
        Viele Grüße,
        Raphaela

        Antworten
  3. Siebenstein sagt:

    Das sieht richtig gut aus! Mit dieser Technik würde ich mich sogar mal an Entrelac mit glatten, stark kontrastierenden Unifarben heranwagen.
    Aber wie lange willst du uns noch auf die Folter spannen, bevor du deine Tricks verrätst? Muss ich etwa wieder probieren und plagiieren? 😉

    Du schreibst von „verketten“ statt zusammenstricken, heißt das, dass du einen eigenen Faden verwendest und die Rechtecke in einer maschenstich-ähnlichen Weise verbindest?

    Viele Grüße von der neugierigen Ulrike

    Antworten
    • LanArta sagt:

      Hallo, Ulrike,

      ich habe noch zwei (schon fertige) Beiträge vor der Veröffentlichung geplant. Diese Woche ist voll von Terminen, und ich will die einzelnen Schritte mit Fotodokumentation darstellen.
      Soviel vorab: es wird immer der jeweils eigene Faden verwendet, kein zusätzlicher. Also derjenige Faden, mit dem du ohnehin gerade arbeitest. Nein, Maschenstichähnliches ist auch nicht im Spiel 🙂
      Ich finde deine Überlegungen klasse, vielleicht sind die auch irgendwie noch umzusetzen.
      Viele Grüße
      Michaela

      Antworten
      • Raphaela Blumenbunt sagt:

        Hast du deine Technik inzwischen verraten? Ich suche mir ˋnen Wolf, weil ich mit meinen Kanten nicht zufrieden bin. Kannst du mir bitte, bitte, bitte, einen Tipp geben, wo ich die Erklärung finden kann, wie du das so schön gemacht hast?
        Danke sehr und viele Grüße,
        Raphaela

        Antworten
        • LanArta sagt:

          Hallo, Raphaela,
          vielen Dank für deine Erinnerung
          Ich möchte von der Technik ein Video machen, bin aber noch nicht dazu gekommen, mangels Kamera und entsprechender Assistenz.
          Du meinst die Übergänge zu den anderen Rauten?
          Ich bin ganz schlecht im Erklären, das würde vermutlich einen Haufen Verwirrung und Diskussion erzeugen, daher würde ich es gern filmen.
          Viele Grüße
          Michaela

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