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The Book of Haps

Wir haben es im Beitrag über den ersten nachgearbeiteten Schal bereits angedeutet, „Das Buch der Zufälle“ oder „Das Buch der (Alltags-)tücher“  wird genauer beleuchtet. „Zufälle“ deshalb, weil „hap“ das britische Wort dafür ist.

„Haps“ kommt auch aus dem schottischen Dialekt und bezeichnet einen einfachen Schal, bzw. ein schlichtes Umschlagtuch. Diese Tücher wurden über hundert Jahre lang gleichermaßen für den täglichen Gebrauch als auch für den Verkauf angefertigt.

Dieses Buch, das ich als e-Book besitze, gliedert sich in drei Teile:

  • Historische Betrachtung: hier wird dargestellt und passend bebildert gezeigt, in welchen Situationen die Haps angefertigt und getragen wurden. Besonders beeindruckend sind die schwer arbeitenden Frauen – nicht nur in der Landwirtschaft – die nebenbei in ihren kärglichen Pausen im Stehen oder Gehen stricken.
    Man kann erkennen, wie die Haps getragen werden, als Umschlagtuch, als Schal oder wie eine Weste.
    Die Entwicklung der Haps wird ebenso entfaltet, wie die Recherche nach der Herkunft der einzelnen Ausprägungen. Am Beispiel eine Shetland-Hap wird gezeigt, wie dieser Schal aufgebaut und entwickelt wird. Zusätzlich wird die Geschichte eines Haps „Knitting the tree of life“ berichtet.
    Schließlich wird die Umwandlung der Haps für den zeitgenössischen Stil des 21. Jahrhunderts vorgestellt.Einige Beispiele für das Tragen der Haps. Rechts sehen wir, dass der Schal für die raue Witterung der schottischen Hochländer unabdingbar war.
    Bildquelle: Book of Haps, S. 14, S.13, S. 6
  • Daran schließen sich die Anleitungen zu den einzelnen Modellen an. Jedes Modell enthält im Vorfeld die Überlegungen der Designerin, warum sie sich für dieses Modell entschieden hat, was ihr dabei durch den Kopf ging, wie es zur Auswahl von Garnen und Muster gekommen ist.
    Designerinnen sind: Jen Arnall-Culliford, Martina Behm, Roslyn Chapman, Kate Davies, Carol Feller, Lucy Hague, Romi Hill, Bristol Ivy, Gudrun Johnston, Hélène Magnússon, Donna Smith, Hazel Tindall, Tom van Deijnen, Veera Välimäki.
    Viele Namen sind Strickerinnen bekannt, ihre Designs werden häufig nachgearbeitet und jede hat ihren eigenen Stil.
    Ihre Hap-Modelle entstanden hatten als Quelle die Haps, die im ersten Buchteil vorgestellt wurden und wurden so interpretiert, dass sie der Herkunftsgegend der Designerin angepasst wurden, von Nevade, Finnland, Island und den Burra-Isles.Sie erscheinen dabei in verschiedenen Formen: quadratisch, dreieckig oder sechseckig und enthalten Lochmuster, Zopfmuster oder werden mittels Farbgestaltung charakterisiert. Dabei erscheinen sie sowohl als elegante und faszinierende Schals als auch graphisch und abstrakt.
    Für einen selbst ist das Buch eine Quelle der Inspiration und Möglichkeiten der Ausgestaltung.Die Bilder der Modelle wurden von Tom Barr stets vor einem adäquaten Hintergrund gemacht und heben die jeweilige Charakteristik hervor.
    Alle Modelle kann man bei Ravelry betrachten.Die Anleitungen sind gut verständlich, so weit ich sie durchgelesen habe. Ich habe viermal den Nut-Hap gearbeitet und kann über diese Anleitung sagen, dass man gut bedient ist, wenn man verschiedene Varianten der angewandten Techniken beherrscht. Den beschriebenenen Schlauch-Anschlag habe ich abgewandelt, weil er mir viel zu umständlich vorkommt. Ebenso die letzte Reihe, die das Italienische Abketten verwendet. Die vorgeschlagene w & t – Methode für die verkürzten Reihen habe ich mit der Doppelmasche als Wendemasche  gestrickt. Bei meiner Interpretation des Nut-Haps ist das näher beschrieben.
    Beide Nut-Haps wurden mit Restgarnen gestrickt, eine schöne Gelegenheit, Einzelknäule zu reduzieren.
    Sobald sich wieder welche gesammelt haben, kann ein weiterer Schal entstehen
  • Der dritte Teil des Buches enthält einen Anhang. Einige Anleitungen sind dort in der Reihe-für-Reihe- oder Step-by-Step-Methode beschrieben. Für Ungeübte sicher eine hilfreiche Unterstützung.
    Das Modell Shore-Hap von Martina Behm findet man auf deutsch.

Das Buch – bisher nur auf Englisch – ist eins von denjenigen, die man immer wieder in die Hand nehmen kann: sei es, dass man nach einem tragbaren Modell für einen Schal sucht, sei es, um in der historischen Aufbereitung oder bei einzelnen Haps noch einmal nachzulesen. Der Schreibstil von Kate Davies ist einfach nachzuvollziehen, sie versteht es, die Aussagen anschaulich zu machen. Bisweilen gibt es Wiederholungen, was jedoch auch den parallel verlaufenden Entwicklungen des Kleidungsstückes geschuldet ist.

Hier ist es auch gelungen, Modelle für die ungeübte und die erfahrene Strickerin zu präsentieren, was das Book of Haps für eine größere Zielgruppe interessant macht.

Erhältlich ist das Buch bei Kate Davies. Beim Erwerb des Buches bekommt man zusätzlich den Zugang, um es als PDF-Datei runterladen zu können. Es ist auch als Ravelry-Download zu erwerben.
Erschienen im Juni 2016