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Original und besser als das Original

„Ein Hacker ist jemand, der versucht einen Weg zu finden, wie man mit einer Kaffeemaschine Toast zubereiten kann“. Diese Definition von Wau Holland, des Gründers des Chaos Computer Clubs besagt nichts anderes, als dass Dinge mit vorgegebener Funktion erweitert, verbessert oder anderweitig kreativ verändert werden, um ihre Funktions- und Verwendungsmöglichkeiten voll auszureizen. Wer eine vorgefasste Meinung von Hackern als Menschengruppe mit krimineller Energie hat, möge sich bitte entsprechend weiterbilden.

In Analogie zu Joseph Beuys’ Aussage “Jeder ist ein Künstler” kann auch behauptet werden “Jeder und jede ist ein Hacker oder eine Hackerin”, innerhalb der Hackerkultur nennt man die Hackerinnen Haecksen, mit diesem Namen haben sich die weiblich connotierten Mitglieder des Chaos Computerclubs auch zusammengeschlossen.

Das Hacken bezieht sich längst nicht mehr auf technische Aspekte oder die Computerwelt, sondern umfasst alle Lebensbereiche. Hacken ist der kreative Umgang mit alltäglichen Dingen. Schon seit 2006 gibt es die IKEA-Hackers, hier wurde im Jahr 2007 auch schon ein Hack von mir veröffentlicht, die IKEA Lampe mit Lace. Eine Dreierserie war dann der Hack zu meinem eigenen Hack.

“Lifehacks” ist der Suchbegriff, unter dem sich Verbesserungen finden, die den Alltag erleichtern können, wobei ich viele Vorschläge wenig hilfreich oder sinnvoll finde, die zwar einem kreativen Hirn entsprungen sind, aber den Alltag nicht wesentlich bereichern. Viele der gezeigten “Hacks” sind einfache Haushaltstipps, die man auch früher schon kannte, die aber nicht als “Hack” geadelt wurden. Aus gutem Grund.
Hacks sind nach meiner Auffassung keine Weitergabe von Tipps oder Tricks von Menschen mit höherem Wissenslevel an weniger Schlaue, sondern Hacks sind ungewöhnliche, kreative Lösungen für ein Problem, oft sogar nur für eine temporäre Schwierigkeit.

Hacks werden werden ergrübelt oder ertüftelt, spielerisch ausprobiert. Sie ignorieren die Logik des Systems, also beispielsweise die Funktion der o.g Kaffeemaschine, diese ist fast belanglos um daraus einen Toaster zu machen. Es geht um eine kreative Lösung, die dem ursprünglichen System den Rang abläuft und dennoch im System integriert ist. Wie ich es formulieren würde: ein Schritt zur eierlegenden Wollmilchsau.
Im letzten Beitrag habe ich gezeigt, wie ich die dicken Nylonseile von uralten Stricknadeln, mittlerweile steif und nur noch Handgelenke quälend, zu Ringen für einen Lampion umfunktioniert habe, also eine neue Funktion nebst Recycling. Zugegeben: das alte System ist nun nicht mehr erkennbar, wird auch nicht mehr gebraucht. Aber mein Problem “Geldsparen und eine funktionierende Lösung für nicht verformbare Ringe” wurde kreativ und mit eigenen Schöpfungsgedanken gelöst.

Feine Hacks sind auch Umnutzungen von Gegenständen, die ihren ursprünglichen Zweck ganz aus dem Blick verlieren. Zu den genialeren Tricks gehören die zahlreichen Verwendungsmöglichkeiten für Foldback-Klammern, besonders das “Chrüsimüsi” wird uns Garnfreundinnen freuen. Kaum zu glauben, aber diese Klammern wurden schon 1910 erfunden.
Ich benutze die Klammern gern, um Strickstücke zur Anprobe vor dem Zusammennähen an den Schultern zu klammern oder rollende Ränder zum Ausmessen der Fläche gerade zu halten. Beim Stricken an der Strickmaschine verwende ich sie zum Halten und Straffen nicht benutzer Fäden, damit diese nicht in die Nadeln gelangen können. Das geht aber auch mit normalen Wäscheklammern, sofern sie noch Spannung haben.
Bei mir am Regal hängen zwei größere “Maulis”, in diese hänge ich die Bügel meiner Brillen ein. Man kann dann nichts drauflegen und sie verschwinden lassen.

Worauf will ich eigentlich hinaus?
Ob ich mit dem derzeitigen Häkelwerk einen Hack geleistet oder nur mehr Wissen als die Designerin habe, ist nicht ganz klar.

Diese wunderbare Decke stach mir sofort ins Auge, weil ich in meiner Vorstellung sofort eine größere Menge völlig unterschiedlicher Spendenwolle in diesem Muster untergebracht sah. Die Designerin verwendet ein dickes Baumwollgarn mit 85m/50g, das wird in ganz schön schweres Projekt.

Mein Garn ist diese bunte Mischung unterschiedlicher Qualitäten aus einer größeren Garnspende von Ellen.

 

 

 

Bildquelle und Design Johanna Lindahl

 

 

Da ich auf den ersten Blick sah, wie das Muster zustandekommt, habe ich mir den Kauf des Designs gespart.
Eine Kopie kam nicht in Frage, denn ich sah Verbesserungspotential.
Und klar: meine Variante habe ich etwas abgewandelt, indem ich in die Mitte ein Quadrätchen setze, außerdem habe ich die Quadrate vergrößert.

Nun seid ihr dran: seht ihr den Hauptunterschied?
Die Farbgestaltung und das unterschiedliche Garn sind nicht gemeint, auch nicht die Größe. Oder dass ich das Muster schon vom Bild her erkenne und nacharbeiten kann, das ist in diesem Fall ein Ergebnis von Übung und Erfahrung, kein Hack.

Da sich die Quadrate nicht ohne Qualitätsverlust aus dem Projektbild von Johanna Lindahl kopieren ließen, habe ich ein Bild von Jocelyn aus Dubai genommen, die in ihren Quadraten ein wunderbar klares Maschenbild produziert. Meine höchste Anerkennung! Ich will keinen Fehler herausarbeiten oder das Werk diskriminieren, denn Jocelyn hat wohl genau nach Anleitung gehäkelt. Ich nutze es, um den Unterschied zwischen dem Original und dem verbesserten Original herauszuarbeiten.

Ihr dürft rätseln, was gehackt wurde.

Bildurheberschaft: Jocelyn

 

Hier nun meine Variante.

 

Die Auflösung präsentiere ich im nächsten Beitrag, wenn die Decke fertig ist. Ich freue mich auf eure Kommentare!

4 Gedanken zu „Original und besser als das Original

  1. Annette 1965 sagt:

    Liebe Michaela!
    Ich kann auch nur das jeweils etwas krumpelige Rundenende in den Teilen von Jocelyn erkennen. Deine Übergänge sehen ganz sauber aus.
    Viele liebe Grüße von Annette

    Antworten
    • Michaela sagt:

      Liebe Annette,
      auch du hast gleich erkannt, dass etwas die Harmonie stört. Jocelyn häkelt sehr gleichmäßig, so dass die Farbübergänge kaum ins Auge fallen. Mit “meiner” Methode hätte sie keinerlei Mehraufwand

      Antworten
  2. Hummelbrummel sagt:

    Liebe Michaela,

    vor allem wollte ich Dir mal wieder sagen, mit wieviel Genuss ich Deine Blog-Einträge lese. Heute – am Sonntag Morgen – war der richtige Moment, um mir dafür die Zeit zu nehmen, denn sie sind kein Fastfood, wie so vieles andere im Internet.
    Jetzt bin ich lanarta-lektüre-mäßig mal wieder auf dem Stand 🙂

    Was die Quadrate betrifft, fehlt mir wohl der Kennerblick, um Deinen Hack zu entschlüsseln.
    Mir fällt lediglich auf, dass Du den jeweiligen Reihenanfang geschickt versteckt hast – vielleicht in eine Eckendiagonale verlegt?

    Viele Grüße und eine gute Woche.

    Damaris
    – die wohl auch hin und wieder was hackt…

    Antworten
    • LanArta sagt:

      Liebe Damaris,

      ganz bestimmt bist du eine ausgezeichnete Haeckse mit einem hervorragenden analysierenden Blick! Die Auflöung verrate ich demnächst 🙂

      Ich bin auch öfter auf deiner Website und versuche zu kommentieren. Obwohl ich alles freischalte, klappt das nicht, zumindest bekomme ich keine Bestätigung, dass mein Kommentar irgendwo gelandet ist. Trotz Captcha und allem Möglichen.

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