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Pick’N’Mix und die Zwillingsforschung

Immer wieder eine schöne Beschäftigung: eingegangene Spendengarne auf dem Balkonboden auskippen, aussortieren und ordnen. Dieses Mal waren es zwei große Tüten von Ellen. Wir trafen uns in einem Café, für jeden von uns auf halber Strecke. Es war das erste Wochenende nach dem Lockdown, an dem die Cafés wieder offen waren, die Fahrstrecke auf der A5, die man üblicherweise im Stau verbringt, gähnend leer.
Zurück fuhr ich mit 8kg Garnen im Kofferraum.

Ich sortiere so:
Erst nach Garnzusammensetzung, dann nach möglichen Projekten. Wie ich nicht müde werde zu betonen, kann Poly für die Spendendecken nur teilweise verwendet werden. Aber es wird nichts weggeworfen. Einen kleineren Teil, etwas 2kg kann ich nicht verarbeiten, darüber freut sich ein Kloster, das daraus Decken für den Bazar anfertigt. Einen anderen Polyanteil werde ich verweben. Und den dritten in homöopathischen Dosen in die Decken einarbeiten.

Oft werde ich gefragt, was ich mit einem Sammelsurium an Resten mache, die überhaupt nicht zusammenpassen. Man kann natürlich die berühmten Flickendecken aus Quadraten anfertigen, die je nach Farbgefühl “designt” oder scheußlich aussehen können. Man kann nach hell und dunkel sortieren oder nach Farbgruppen. Dann schätzt man ab, wie die Farbgruppen anteilig verteilt sind. Messen, bzw. wiegen geht nur, wenn die Labels noch alle an den Garnen sind. Schon, wenn die Garne unterschiedliche Stärken haben, sind Messungen kaum noch möglich. Mittlerweile habe ich Übung im Schätzen der Mengen und lege mich dann auf eine Garnstärke fest. Diese kann bereits in einem Garn vorhanden sein oder mit zwei / drei Fäden erzeugt.

Viele Garnspenden mit einem Potpourri an Farben lassen erkennen, welches die Lieblingsfarben der früheren Eignerin der Garne waren. Teilweise stammen die Garne aus dem vorigen Jahrhundert. Dunkelblau ist nahezu immer der Hauptbestandteil, dicht gefolgt von schwarz, beige, weiß, braun. In meinem Nachlass wird man diese Farben definitiv kaum finden.
Um fröhliche Kinder- und Jugenddecken entstehen zu lassen, muss ein Farb- oder Leuchteffekt entwickelt werden, damit sich zu eher dunklen, gedämpften Farben ein heller Kontrast entwickelt. So entstand die Idee, Ringe zu häkeln, mit gewissen Vorgaben: eine helle Scheibe in der Mitte, hier wurden rustikale Garne oder Pudelwolle verhäkelt. Dann einen Farbkreis, immer wieder im Wechsel mit hellem Garn. Ich habe alle 24 Kreise gleichzeitig gearbeitet, also immer den entsprechenden Ring an allen Kreisen gehäkelt. So waren sie stets auf dem gleichen Stand und ich sah auch immer, wieviel von welcher Farbe noch vorhanden war.

In den Kreisen wurden alle hellen und bunten Farben bis auf ein Knäuel Wollweiß aufgebraucht.

 

Die Umwandlung vom Kreis, eher Achteck, in Quadrate entstand dann in den dunklen Farben Braun, Grau, Schwarz, verschiedene Blau.

 

Ursprünglich wollte ich eine große Decke machen, entschied mich dann jedoch für zwei kleine.
Die Farben aus dem Sack waren nach dem Zusammenhäkeln aufgebraucht. Dank einer Wollspende von Barbara hatte ich noch passende blaue Wollmeisengarne für den Rand. Nach meiner Auffassung werten Randgestaltungen Decken auf und verleihen Stabilität.

Hier ein Häkelrand, der aussieht, wie gestrickt, nach dieser Methode https://mycrochetory.com/how-to-crochet-ribbing/

Wegen des dunklen Blaus erkennt man den Rand nicht ganz präzise: es ist ein einfacher Moss-Stitch, wie bei der Decke im vorigen Beitrag. Er verhindert wellende Ecken.

 

 

Da ich die Gelegenheit hatte, machte ich einen Zwillingsversuch. Die Decken wurden unterschiedlich gewaschen, eine bei 30° Feinwäsche mit 1200 Umdrehungen beim Schleudern, eine mit 40° Wollwäsche und Schleudern mit 1500 Umdrehungen. Die Feinwäsche ließ die Decke längs und quer um 8cm schrumpfen.
Die Maschine wurde im Mai 1995 gekauft, ist also kein neues Modell. Den Umstand des Schrumpfens nutze ich bei der Deckenwäsche üblicherweise so aus, dass ich die Stücke erst 25 Minuten bei 30° wasche, dann zu Wollwäsche umschalte. Da ich mit Waschnüssen wasche, ist das kein Verplempern von Waschpulver. Das Gewirke verdichtet sich, geht aber nicht ein.

Hier erkennt man den Unterschied. Das Wollmeisengarn im Rand veränderte sich in beiden Fällen nicht. Die größere Decke misst 135 cm x 95 cm.

 

Ich habe pro Decke 1100g Garne verbraucht. Wer eine ähnliche Decke arbeiten möchte, findet eine passende Anleitung hier

Skipping Stones Afghan Pattern (Crochet)

2 Gedanken zu „Pick’N’Mix und die Zwillingsforschung

  1. Annette 1965 sagt:

    Liebe Michaela!
    Wie schön, daß auch diese Garne eine so gute Verwendung gefunden haben. Und die Farbaufteilung ist wieder toll gelungen!
    Viele liebe Grüße von Annette

    Antworten
    • Michaela sagt:

      Vielen Dank, liebe Annette,
      von so einer Mischung habe ich noch einen Sack voll, da wird es schon schwieriger, aber es sollte sich auch ein Muster finden lassen. Zur Not verwende ich das Muster noch einmal.
      Liebe Grüße
      Michaela

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