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Das “Zweiter-Socken-Syndrom” – so vermeidet man es

Was bringt einen dazu, nach über 10 Jahren wieder einmal handgestrickte Socken anzufertigen? Stricktreffen sind in der Regel äußerst inspirierend. Dass ich dort angefixt werden sollte, Socken mit sieben Nadeln zu stricken, wäre mir in den kühnsten Vorstellungen nicht in den Sinn gekommen.

Immer wieder wird im Netz vom Zweite-Socke-Syndrom berichtet. Es werden die verschiedensten Theorien entwickelt, warum die zweite Socke länger zur Beendigung benötigt oder überhaupt nicht fertig wird. Ebenso scheint dieses Phänomen beim zweiten Ärmel aufzutauchen, der das Fertigstellen eines Pullis oder einer Jacke verhindert.

Beim Stricken mit dem Handstrickapparat tritt diese Besonderheit selten auf, vermutlich, weil man mit der Erstellung des zweiten Ärmels recht schnell fertig ist, wenn man nicht gerade ein zeitraubendes Muster strickt oder Handhabungsfehler am Apparat begeht, die es ohnehin sinnvoll erscheinen lassen, statt mühseligem Reparaturpfusch lieber neu zu beginnen.

Die Erklärung, man stricke beim zweiten Ärmel oder der zweiten Socke nochmal das Gleiche, scheint mir plausibel. Und wenn es schon beim ersten Mal langweilig war, tut man sich beim zweiten Mal den Tort nochmal an, zumal, wenn auch das Socken-Muster oder das Garn nichts zur Abwechslung beitragen.

Es werden verschiedene Methoden zur Abhilfe angeboten. Das reicht von zwei Socken gleichzeitig auf einer langen Rundnadel (Magic-Loop-Technik) bis hin zum Tipp, auf zwei Nadelspielen immer abwechselnd zehn Reihen an einem und dann am anderen Socken zu stricken.

Ich bin mit Sockennadeln schneller als mit Seilnadeln. Um Längen schneller. Bisher konnte mich noch keine Magic-Loop-Strickerin einholen. Also lass ich das, zumal ich mit der Methode schon etliche Nadeln am Übergang von Seil zu Spitze geschrottet habe.

Und: solche billigen Tricks mit angeblichen Zauberschlaufen, die zweite Socke oder den zweiten Ärmel fertig zu stellen brauche ich nicht. Weil ich das nämlich so mache: ich stricke die zweite Socke zuerst und danach die erste Socke, die geht quasi wie von selbst. Man hat das gute Gefühl, der zweite Ärmel ist schon fertig, jetzt nur noch schnell den ersten stricken.

Strickfreund Heinz von den Sockenkurblern ist mit allen Wassern gewaschen. Er kennt jeden Socken-Trick. Vielleicht nicht jeden, aber in jedem Fall mehr als ich. Er macht das so: er strickt eine Socke gegen die Kälte und eine für die Wärme am Fuß. Das Thema “Zweite Socke” existiert somit praktisch gar nicht. Da ein Paar Socken immer aus einem Strumpf gegen die Kälte und einer Socke für die Wärme besteht, ist es völlig unsinnig, die Socken inhaltlich in eine erste und eine zweite zu trennen, beide sind gleichwertig und die eine ohne die andere nichts. Hier herrscht Gleichberechtigung, Kälteabwehr und Wärmezufuhr sind Bestandteile eines harmonischen Ganzen, sonst klappt’s nicht mit der ausgeglichenen Temperatur.

Diese Argumentation gilt selbstredend auch für Ärmel, Stulpen, Fäustlinge oder Handschuhe. Wer also das Zweite-Socke-Syndrom als unabänderliches Schicksal sieht, hat nur noch nicht von der magischen Methode gehört, die zweite Socke vor der ersten zu nadeln. Weitersagen, weitersagen, weitersagen …

Das Sockenpaar, das ich recht schnell fertigstellte – zugegeben: ich habe Schuhgröße 37, hat so gar nichts mit der üblichen Technik gemein. Man beginnt so

 

So sehen sie fertig aus.

 

Sie sitzen sehr gut!

Die Socken sind sehr gut für Füße mit hohem Spann/Rist geeignet. Ansonsten würde ich die Kappe mit einer Zunahme weniger arbeiten.

Schaft und Spitze habe ich nach eigenem Gusto abgewandelt, das ist bei dieser Anleitung einfach zu machen.

Beim nächsten Mal würde ich mit Nadelstärke 2mm stricken, zumindest am Fuß. Nach meiner Beobachtung wird die Sockenwolle immer dünner.

Zur Anleitung in vielen Sprachen bitte klicken

4 Gedanken zu „Das “Zweiter-Socken-Syndrom” – so vermeidet man es

  1. Kerstin sagt:

    Wunderschöne Socken und eine großartige Lösung fürs zweite-Socke-Syndrom. 🙂 Nur schade, dass diese Socken mir mangels hohem Spann möglicherweise nicht optimal passen. Bei mir ist der Rist-Bereich sehr flach.
    Zahlreiche Grüße
    Kerstin

    Antworten
    • LanArta sagt:

      Hallo, Kerstin,
      Dankesehr!
      Das ist durchaus möglich, dass die Passform bei flachem Rist nicht optimal ist, das wäre mit 1-2 Zunahmen weniger ggf. zu testen.
      Dafür sind die Menschen mit flachem Spann gut mit der Bumerang-Ferse bedient, die sind für den hohen Rist nicht optimal.

      Schönes Wochenende!
      Michaela

      Antworten
  2. LanArta sagt:

    Hey, Conny,
    ich sah gerade: Ich hatte den Beitrag ohne Bilder veröffentlicht. Schande!

    Ja, deine Argumentation ist schlüssig, aber offenbar nicht für eine jede 🙂
    Wenn mein zweiter Socken auf sich warten lässt, habe ich oft etwas angefangen, was mich mehr fasziniert.

    Viele Grüße und schönen Advent

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  3. Connie sagt:

    Zauberschleifen brauche ich auch. Zwei Socken gleichzeitig stricken braucht bei mir länger als die Socken nacheinander zu stricken. Bei mir kommt es nicht zum 2. Sockensyndrom, da ein einzelner Socke ja noch nicht viel nützt (es sei denn, man hat nur einen Fuss). Daher ist ein Socke fertig bei mir nur 50% fertig (oder ein Half-Finished Object) und wird nur durch den Partner zum Ganzen. Aber auch genial der Ansatz, den 2. Socken vor dem ersten zu stricken.

    LG
    Connie

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