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Punch as Punch can

Das ehemalige Wrack entpuppt sich als vielseitiges Gerät. Wenn man bloß nicht so dickes Garn bräuchte! Die Lochkartenfunktion wird auf Herz und Nieren, besser auf Walze und Lochband geprüft, denn eins steht fest: nach dem Stricken der Charity-Decken wird die Maschine verkauft, mit der Sicherheit, sie funktioniert ausgezeichnet. Meine Ahnung sagt mir, dass ich darauf keine Kleidung stricken werde. Und die Erfahrung, die ich nun an etlichen Decken gesammelt habe, zeigt außerdem: sie funktioniert am besten, ja, hervorragend bei wirklich dicken Garnen mit geringer Lauflänge.
Viele dünne Garne zusammenspulen macht nicht nur viele Stunden Extraarbeit, sondern erfordert auch eine gewisse Sorgfalt bei der Zusammenstellung der Garne, sonst rutschen einzelne Fäden heraus, verheddern sich im Maschengitter oder verursachen andere Betrübnis, welche die zügige Produktion auf dem Apparat nicht nur einschränkt sondern auch Unlust erzeugt.

 

So sieht das mit den vielen Konen in einem günstigen Fall aus, üblicherweise stehe ich erst einmal einige Zeit und wickle 12-14 Konenfäden zu einem Garn, das ungefähr 6-fädiger Sockenwolle entspricht. Damit man eine Vorstellung bekommt, was der Grobi so verarbeitet: mit drei Fäden üblichen Sockengarns gleichzeitig verarbeitet kommt man gerade mal auf die Maschenweite vier der zehn ganzzahligen Einstellungen des Strick-Schlittens

 

Eine weitere Erfahrung zeigt: ungeeignete Garne sollten schon von vornherein nicht in den Vorrat einwandern; Webgarne für Industrie-Textilien beispielsweise, die ebenfalls auf Konen angeboten und von vielen eBay-Kundinnen als Strickgarn gekauft werden, weil die Verkäufer ebenso ahnungslos sind und auch die Beschriftung der Konen nicht deuten können, sofern überhaupt vorhanden. Oder Garne, die rein für Industrie-Gewebe vorgesehen sind und auch nur mit entsprechenden Maschinen verarbeitet werden können, die lassen sich nichtmal untermischen, weil sie sich nicht an die Nadeln schmiegen.
Darunter sind Kunststoffgarne, die bestimmte Funktionen haben, z.B. mit Karbon oder anderen ungewöhnlichen Chemiefasern, für Motorradkleidung beispielsweise.

So bekomme ich viele Garne, aus denen ich das Optimum herauszuholen versuche, dennoch bleibt ungeeignetes Garn ungeeignetes Garn, das Verdruss erzeugt. Den Spenderinnen ist kein Vorwurf zu machen. Ich habe mir auch erst im Lauf der Zeit das Wissen angeeignet, Konengarne als brauchbar zu identifizieren, bzw. mich zu überzeugen: damit ist nichts anzufangen. Wegwerfen tut mir heute noch weh.

Bei den beiden vorgestellten Decken konnten viele Konengarne verringert werden. Obwohl: verringert heißt: man wickelt viele Meter ab, aber das Garn scheint nicht weniger zu werden. Einige Konen wurden leer. Immer, wenn ein Faden zuende war, knüpfte ich neu an, auch wenn der Farbton nicht mehr derselbe war.

Die Lochkarte musste erst hergestellt werden, es handelt sich um ein Muster mit Fangmaschen, das einen dreidimensionalen Effekt erzielt, den kann man auch noch nach dem Waschen sehen. Im Angelsächsischen heißen die Lochkarten “Punchcard” und werden mit einer Spezialzange gelocht, also gepuncht.

 

Hier auch die Variante in blau

 

Oben: Muster von vorn. Mitte: der von mir entwickelte Doppelrand, der beidseitig gut aussieht. Unten: auch die  Rückseite kann sich zeigen .

 

 

Die Decke wurde mangels Breite des Nadelbetts in zwei Paneelen gestrickt. Ich habe auch ein wenig mit dem Muster experimentiert, indem ich die Lochkarte eine Reihe weiter begann. Und man erkennt, wie sich das Rot nach und nach verändert. Die Decke wird einen großen Empfänger wärmen.

 

 

Hier das gleiche Muster, farblich fast sortenrein. Weiß wurde bis auf einen Meter aufgebraucht, das Blau besteht aus 6 verschiedenen Fäden von Beige bis Schwarz. In der oberen rechten Ecke ging ein Blau und das Schwarz aus, konnte aber fast passend substituiert. werden. Umrahmt wieder von meinem Doppelrand, der dem Ganzen etwas Ausweitung verleiht und die rollenden Ränder in Schach hält.

 

Zusammenfassung
MusterAmazababy von Rachel Brooks
QuelleAmaze a Baby
Material

für die rote Variante: 2300g Verbrauch

für die blaue Variante: 1450g Verbrauch

Nadeln/ApparatBrother KH 260
Größedie Rote
130cm x 200cmdie Blaue
110cm x 140cm
Sonstiges

 

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2 Gedanken zu „Punch as Punch can

  1. Hummelbrummel sagt:

    Danke für’s Posten!
    Es war mal wieder ein Genuss, Deinen Text zu lesen, dazu informativ. Und die Decken finde ich wieder sehr gelungen!
    LG Hummelbrummel

    Antworten
    • LanArta sagt:

      Vielen Dank, Hummelbrummel!

      Ja, der Erfahrungshorizont wächst, und gut, dass bei den Experimenten auch sinnvolle Produkte entstehen.
      Große Probeläppchen halt.

      Antworten

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