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Windmühlig, oder: “ist ja nur mit der Maschine gemacht”

“Mit der Maschine ist man ja so schnell fertig”, oder “das geht mit der Maschine doch blitzartig”. Ja was denn? Eine Jacke? Ein Paar Socken? Eine gestrickte Decke?

Zunächst ist beim Apparatestricken Denksport angesagt. Und das Gedachte sollte man auch gleich notieren. Dann die Maschenprobe und weitere Überlegungen. Die Planung ist unabdingbar, bevor man sich ans Gerät setzt, das kann schonmal ein bis zwei Stunden in Anspruch nehmen, je nach Komplexität des Projekts.

Kein Problem bei Socken, dafür gibt es im Netz so viele Anleitungen, da ist kein Gehirnschmalz vonnöten, höchstens die Fertigkeit, sinnentnehmend zu lesen, das Ganze umzusetzen und die Feinmotorik zu koordinieren. Das kann man üben.

Für die Planung der Decke habe ich Vorgaben gemacht:

  • Muster mit verkürzten Reihen
  • Bestimmte Garne vollständig aufbrauchen, vor allem das Angora-Garn
  • Nur einmal Maschen anschlagen und abketten
  • Umrandung mit Ecken am Stück angestrickt

Die erste Anforderung war leicht, dazu habe ich einfach die Technik aus der Decke im Bild genommen und abgewandelt. Ich hatte sie im letzten Beitrag schon vorgestellt.

Im neuen Projekt erkennt man das Prinzip aber fast nicht wieder.

Beim Garn ist immer die Frage: reicht’s oder reicht’s nicht? Zumal bei Restgarnen, wo es keinen Nachschub gibt. Meine Entscheidung: die Decke soll groß werden und ggf. kann man auch andere Garne aus dem Vorrat nehmen, falls die vorgesehenen Garne nicht geug sind. Die Empfänger werden das nicht kritisieren.

Ich bin nicht böse, dass die schöne türkisfarbene Angorawolle weg ist. Beim Stricken musste ich niesen, und mir tränten die Augen. Ich habe noch einen gekörnten Baumwollfaden zur Stabilisierung dazu genommen. Das Rot besteht aus einem dickeren Wollgarn mit zusätzlichen sieben Fäden Mischgarn und Kunstfaser.

Die nächste Anforderung erforderte Nachdenken: sechs Mal Maschen anschlagen und abketten fand ich überflüssig, zumal jedes Mal für Anfang und Ende Kontrastgarn benötigt würde, was dann in kleiner Stückelung wieder verwendet werden kann – oder auch nicht. Daher machte ich einen Anschlag mit Kontrastgarn und strickte alle sechs Teile durch – am Stück, mit Kontrastgarn getrennt.

Anwesende Beobachter konstatierten, sie wüssten nie, was bei dem heraus kommt, das bei mir am Apparat hängt. Beim Handstricken sei das meistens auf den ersten Blick klar, die Maschine lüfte ihr Geheimnis oft erst, nachdem noch etliche Stunden händisch dran gewerkelt wurde.

 

Wenn die Teile getrennt sind, sieht man, was das Gewurschtel beinhaltete, zwei der Teile wurden bereits zusammen genäht und sind daher nicht auf dem Bild.

 

Nun kommt der eingangs angesprochene Zeitfaktor “geht ja so schnell” ins Spiel. Welcher Strickapparat näht auch zusammen? Ich kenne keinen. Dazu müsste man sich ggf. zusätzlich einen Kettler anschaffen. “Schnell fertig” kann sich nur auf die eigentliche Maschinenbedienung beziehen. Alle Vor- und Nacharbeit muss genau wie beim Handstricken ebenfalls von Hand erledigt werden.

Für das Stricken der sechs Deckenbestandteile selbst benötigte ich ca. sechs Stunden. Für das Zusammenfügen fast genauso viel. Nach dem Zusammennähen wurde der Rand an die Decke angestrickt, in doppelter Breite mit einer Patentmasche in der Mitte, damit sich der Rand hälftig falten ließ. Die Ecken am Rand sind meine eigene Erfindung, Fersen, etwas flacher gestrickt, damit sie nicht spitz abstehen.

Auf die Bilder klicken vergrößert.

Ferse Vorderseite

Ferse Rückseite

Angenähter Rand Rückseite

Die Umrandung zu stricken benötigte vier Stunden, das Umschlagen und Annähen des Umschlags knappe sechs Stunden. Diesen Rand werde ich bestimmt wieder anwenden, allerdings von der anderen Seite angestrickt und an der Vorderseite angenäht, denn meine Naht sieht viel schöner aus als die Anstrickkante.

Außerdem hätte ich für den Rand eine kleinere Maschenweite nehmen sollen als für den Hauptteil, dann wäre mir das Anstückeln mit Rot erspart geblieben. Die Decke auf dem Grobi hat mir wieder einiges an Lerninhalt gebracht.

Insgesamt betrug Strick- zu Nichtstrickarbeit ca. eins zu einskommafünf, was 50% mehr Zeit für die Ausfertigung bedeutet als fürs Stricken. Da ich die Maschine von Hand bedient habe und jede verkürzte und verlängerte Reihe händisch einstellen musste – von alleine macht sie das nämlich nicht – , ist diese Decke mit Fug und Recht als Handarbeit zu bezeichnen und nicht “nur” maschinengestrickt.

Es stecken über 1700 g Garne drin, teils gespendet, teils aus meinem Vorrat. Die Größe beträgt 210cm x 140cm.

Nach dieser Decke habe ich den Nadelkanal ausgebürstet. Dazu ist die Sperrschiene heraus zu nehmen, die Nadeln können drin bleiben. Der Angetraute stand mit dem eingeschalteten Staubsauger daneben. An die zwei Dutzend Male musste die Bürste duchgeschoben werden. Die letzten Flusen habe ich mit Drehen der Bürste gelöst.

 

Flusen

 

Ich empfehle unbedingt die Anschaffung einer solchen Nadelkanal-Bürste. Selbst nach dem Aussaugen mit einem Hochleistungssauger habe ich noch massenhaft zusammengebackene Flusen entfernen können, die dem Strickapparat die Arbeit verleiden.

 

Die nächste Decke wird nach einem Speiseeis benannt. Nicht Langnese, aber so ähnlich. Und die KH970 kommt wieder zum Einsatz, aufgebaut ist sie schon.Merken

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