Springe zum Inhalt

Venus von Willendorf – reloaded

Die schwellenden Formen der Venus von Willendorf treiben auch heute noch so manchem Klamottendesigner Tränen in die Augen. Ein kompetenter Vetreter dieser Zunft meinte, Couture für Größe 34-36 in Bügelbrett-Anmutung könne jeder Depp kreieren, aber üppige weibliche Formen optimal zur Geltung zu bringen sei wahre Schneiderkunst.

Wen Figur oder Aussehen nur am Rande interessiert, ist der Designer und Künstler Issey Miyake, der sich auch technologisch einen Namen gemacht hat. Ihm werden wir einmal einen eigenen Blog-Artikel widmen, denn er hat früher sogar gestrickt.

Meine Nachbarin ist die Einkäuferin und Geschäftsführerin für die Miyake-Boutique in Zürich, und so kam ich schon einige Male in den Genuss, Miyake-Originale für berühmte Menschen anschauen, anfassen und anziehen zu dürfen. Sie schenkte mir nicht nur einen wunderbaren Schal in der genialen Faltentechnik “Pleats Please”, sondern auch Bildbände von Miyake und ein Buch mit künstlerischen Faltanleitungen für Stoffe. Ich freue mir dann immer ein Loch in den Bauch, wenn ich in den Bänden blättere.
Wenn sie für die Boutique Modelle bestellt, lässt sie diese immer auch von Mannequins mit “Übergrößen” vorführen. Wie ich diesen Begriff hasse! Wer bestimmt denn, was “Normalgröße” ist? Miyake-Modelle kennen keine Boutique-affine Maximalgröße und werden auch wegen ihrer Pflegeleichtigkeit gerne von Menschen von Format, die viel reisen und präsentieren müssen, getragen.

Die Figur der Venus von Willendorf ist auch ein Stein des Anstoßes für fehlinformierte Mediziner und Ernährungsberaterinnen. Vom gemeinen Volke ganz zu schweigen. Die Zeitgenoss*innen der Venus von Willendorf erreichten ein respektables Alter von 55-60 Jahren, sofern sie nicht durch Infekte, Verletzungen oder Entzündungen früher abberufen wurden. Das Max-Planck-Institut Leipzig hat dazu spannende Forschungsergebnisse veröffentlicht. Seit die agrarische Ernährung zunahm, haben wir  gesundheitlich abgebaut, die Knochenfunde aus aller Welt belegen das eindeutig. Aber dies ist eine Geschichte, die ein andermal erzählt werden will.

Von einer ganz anderen Seite hat sich die Bildhauerin Yulia Ustinova der Venus von Willendorf genähert. Busen, Bauch, Hintern, Hüften und Oberschenkel sind für sie keine Problemzonen, sondern Wölbungen und Rundungen, die unbedingt in Skulpturen festgehalten werden müssen. Dabei dient die in Stein gehauene Vorlage der Willendorfer Venus nur für die Kurven als Anschauungsmaterial, das verwendete Material ist weich und knuddlig: Wolle und Baumwoll-Füllwatte. Die Garne werden von der diplomierten Künstlerin selbst zusammengestellt: keine reinen Unifarben, sondern immer Mischungen, die den Skulpturen Lebendigkeit verleihen.

Die Frauen werden – bis auf wenige Ausnahmen – nackt dargestellt. Sie erfüllen bestimmte Funktionen und Aufgaben und sehen teilweise so aus, als sei man ihnen schon einmal irgendwo begegnet.

Eine der wenigen bekleideten Figuren, mit unserem Lieblingshobby beschäftigt…Bildquelle

Die lesende Liegende ist mir auch sehr sympathisch. Bildquelle

 

 

Eine großartige Auswahl der Werke von Yulia Ustinova kann man sich auf dieser Seite ansehen. Dort findet sich auch ein Portrait der Künstlerin, das ich aus Urheberrechtsgründen hier nicht zeigen sollte.

Habt ihr Lust bekommen?
Wer erste Häkelversuche mit Venussen machen will, sei auf diesen Beitrag verwiesen.

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

2 Gedanken zu „Venus von Willendorf – reloaded

  1. Michaela sagt:

    Hallo, Waltraud,

    da beneide ich dich!
    Ich wusste gar nicht, dass es Issey Miyake Schnitte gibt. Und mit meinen Nähkenntnissen ist es nicht weit her.
    Ein selbstgeschneidertes Miyake-Modell ist der Hit!

    Viele Grüße

    Michaela

     

    Antworten
  2. waltraud hub sagt:

    Ich habe mir einmal einen ganz tollen Schnitt von Issey Miyake gekauft. Der Schnitt hat eine Hose und einen Mantel umfasst. Der Mantel hat auf der Abbildung sehr schlicht und einfach aber doch mit Raffinesse ausgesehen. Diese Raffinesse hat mich beinahe an den Rand des Wahnsinns getrieben. Der Schnitt mußte ständig um irgendwelche Ecken gedacht werden, vor allem für mich sehr schwierig zu denkende rechts-links Kombinationen. Ich habe zum Schluss dann meine” Schneiderin-Bekannte” mit ins Boot geholt. Mit ihr war es dann wirklich einfach. Der Mantel hat eine tolle Wirkung.

     

     

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.