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Watsonia

Ein Weihnachtsgeschenk, das nicht rechtzeitig fertig wurde. Oder anders ausgedrückt: ich stellte fest, dass diese kalten Farben überhaupt nicht in das Repertoire der Kleidung  meiner Schwiegermutter passten.
Gerade bin ich in Stimmung, alte angefangene Projekte zu beenden, obwohl ich meine Schaustücke für das Swing-Stricktreffen in Helmstedt abschließen sollte, die ebenfalls in verschiedenen Stadien der Vollendung harren.

Bleiben wir beim Thema: der Schal Mrs Watson von Martina Behm designt, erfordert im Original ein dickeres Garn, um eine akzeptable Größe zu erreichen. Da ich Reste meines Sockengarns aufbrauchen wollte, war im Vorfeld klar, dass ich die Segmentzahl vergrößern muss. Ebenfalls deutlich war, dass ich mit diesem einen Knäuel schwarz auskommen musste.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bei dem 100-g-Knäuel habe ich keinen Schimmer, wie diese in meinen Vorrat eingewandert ist, mit schwarz stricke ich seit langer Zeit nicht mehr.
Um einen Schwank aus meiner Jugend loszuwerden: schon als Kind liebte ich die Farben schwarz und lila, also kein zartlila, sondern ein kräftiges. Der Karfreitagsgottesdienst gehörte zu meinen liebsten, neben der atemberaubenden Stimmung der lateinischen Messe auch wegen der beeindruckenden Farbgebung.
Ich war mit vier amerikanischen Cousins gesegnet und trug daher schon als Vierjährige Original Levi’s Jeans und Converse Schuhe. Abgelegt von den Cousins. Damit war ich das erste und einzige Mädchen im Ort, das Levi’s trug, ich behaupte sogar, im gesamten Landkreis.

Meiner Großmutter war das gar nicht recht, sie sah mich am liebsten in schicken Kleidchen. Das wiederum vertrug sich nicht mit der Auffassung meiner Eltern, ein Kind, das so gerne im Dreck spielte und herum tobte, solle mit bügelintensiven und empfindlichen Klamotten bekleidet werden. Ich saß also zwischen den Stühlen.
Dem Argument, wenigstens in der Schule könne ich mal ein Kleid tragen, konnte ich mich nicht verschließen, und so sagte ich zu, sollte es ein Kleid in schwarz und lila geben, würde ich das tragen. Im Schlepptau meiner Großmutter wurden die einschlägigen Geschäfte abgeklappert. Bei der “Dirndlstube Schmidt” wurden wir fündig: ein schwarzes Dirndl mit lila Streublümchen und lila Schürze wechselte die Location. Und ich hielt mein Versprechen: Das Dirndl wurde getragen, bis sich die Knöpfe am Rücken sich nicht mehr versetzen ließen und die Ärmelbündchen am Ellbogen endeten.

Meine Vorliebe für lila und schwarz hielt sich lange. Dass dies auch die Farben der Emanzipationsbestrebungen und der Autonomieansprüche der damaligen Zeit waren, interessierte mich wenig; ich trug diese schon lange vorher und musste damit nichts dokumentieren. Dazu kamen alle Grün- und Grünblau-Töne. Irgendwann war die Schwarzphase dann vorbei, alles Schwarze und Graue harmoniert nicht mehr mit meinem Teint und lässt mich leidend aussehen.

Im Zuge des Strickens kam mir der Gedanke, ich hätte die Farben auch invers nutzen können, also Farbverlaufsgarn als Grundfarbe, schwarz als Muster. Ich wollte aber nicht auftrennen, und so mussten ein paar Berechnungen her: als die Schmuckfarbe breitere Streifen erzeugte, machte ich mit dem Schwarz schmalere.
Auch strickte ich pro Abschnitt zwei Streifen mehr, um die Garndicke auszugleichen. Das wirkt sich dann auch auf den Abschnitt aus, wo die Dreiecksformung beginnt, auch hier muss man die Streifensegmentzahl erhöhen.
Ich kam mit dem schwarzen Garn gerade so hin, fast nichts mehr übrig. Im Nachhinein hätte ich den Schal lieber mit schwarz abgeschlossen als mit der Schmuckfarbe, aber so macht man seine Erfahrungen. Statt der in der Anleitung vorgeschlagenen Wrap-and-turn-Technik bei der Wendemasche für die verkürzten Reihen verwendete ich die Doppelmaschen-Technik.

Die Garndetails bei Ravelry

 

 

 

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