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Recycling / Upcycling Teil 1

Habe ich schon berichtet, dass ich seit jeher gern recycle? Dabei meine ich nicht das „Downcycling“, wo man aus Klorollen, CDs und anderen Abfallstoffen Sachen bastelt, die zu hässlichen Staubfängern werden und über kurz oder lang doch der Tonne anheimfallen. Da werden häufig Klebstoff und andere Baustoffe zusammen mit weiteren Materialien wie Farbe, Perlen, etc. zu vorhandenem Recyclingmaterial dazu gekauft und zu einem Konglomerat zusammen gepappt, das man spätestens nach einem Jahr nicht mehr sehen kann, weil es hässlich geworden und/oder ausgeblichen oder verstaubt ist. Als Einzelstoffe noch der Wiederverwertbarkeit zuführbar, als Gebastel für die Restmülltonne.
Bevor man in Recyclingbastelei einen Haufen Arbeit investiert, sollte gut überlegt werden, wie lange das Recycelte wem gefällt und ob die investierte Arbeit und das zusätzlich gekaufte Material die Beschäftigung mit Abfall rechtfertigt. Das bedeutet, dass Recyceltes eine gewisse Nachhaltigkeit beinhalten sollte.

Die Frage ist, wann Recycling einfach nur „Weiterbenutzung“ und nicht „Wiederverwertung“ ist. Für eine Wiederverwertung ist nach meiner Auffassung ein Zustandswandel erforderlich.

In meiner Familie war ich diejenige, die weiterbenutzt hat. Ich hatte ein Sammelsurium aus verschiedenen Geschirrkonvoluten von verstorbenen Verwandten. Die Nachlassverwalter wollten es weder wegwerfen noch verschenken.
Ich habe mit Ende zwanzig meine erste eigene Bettwäsche gekauft, weil ich lange Zeit von den qualitativ hochwertigen Garnituren der Großmutter gezehrt habe, die diese nicht einmal selbst benutzt hatte. Auch für Handtücher brauchte ich nicht zu sorgen. Selbstredend waren die Studentenbude und auch das spätere Domizil lange von Möbeln geprägt, welche die Verwandtschaft nicht selbst nutzen wollte. Und auch von liebevoll aufgearbeitetem Sperrmüllmobiliar. Formaldehydverseuchtes Pressspan kam nicht in die Bude, dafür wurde mit Abbeizern und Lackfarben hantiert.

Zum Recycling gehört für mich, das Recycelte in gewisser Weise zu verändern. Während die Handtücher einfach nur weiter benutzt wurden, bekam die Bettwäsche eine farbliche Veränderung, und auch das Mobiliar wurde der neuen Umgebung angepasst.

Was hat das nun mit dem Thema „Handarbeit“ zu tun?
Ich war am Überlegen, ob ich die Lochkarte für den „Surf“-Pullover nun recycelte oder weiter verwendete. Es entstand daraus zwar ein neues Produkt, aber an der Karte selbst wurde nichts verändert, also: Weiterverwendung.
Recycling kann man beispielsweise betreiben, indem alte Stricksachen aufgetrennt und die Garne neuen Projekten zugeführt werden. Da fällt mir ein, dass ich schon lange wieder einmal in einen Second-Hand-Laden gehen wollte, um nach fully-fashioned Strickware zu schauen. Nur diese lässt sich in seine Bestandteile zerlegen und das Garn wieder verwenden. Downcycling ist dann, wenn das Garn für beispielsweise Yarnbombing oder Urbane Kunst verwendet wird, das ist definitiv die Endstation für das Material. Ich weiß, wovon ich spreche.

Meine letzten Upcycling-Projekte zeige ich hier, als erstes einen Stokke-Stuhl, den ich 1992 für das Büro meiner ersten Firma gekauft hatte. Ein mit Leder bezogener Balans, der regelmäßig eingefettet wurde, aber dennoch irgendwann aus dem Leim ging. Auch die Polsterung war abgesessen und gnubbelig.

Sto2alt Sto1alt

Hier sieht man, wie die Polsterung sich buchstäblich verkrümelt. Schaumstoff hält halt nicht ewig.

Daneben gab es abgewetzte Stellen, Flecken von Getränkekonsum und auch quietschende Gelenke.

 

 

Unser örtlicher Polsterer hat daran hervorragende Arbeit geleistet. Den Stoff konnte ich zum Sonderpreis bekommen, weil von einem anderen Auftrag (den man im Internet bewundern kann) ein Rest übrig blieb, nämlich von diesem (und hier), wozu noch ein Ohrenbackensessel gehört, der aber nirgends abgebildet ist. Diesen habe ich im Atelier gesehen.

Mein Arbeitsstuhl sieht nun so aus und passt hervorragend zu seinem weinroten Pendant, den der Angetraute benutzt, wenn wir zusammen an einem Schreibtisch sitzen. Das Quietschen und Knarzen wurde auch beseitigt.

Sto2neu Sto1neu

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Teil 2 werde ich selbst Upgecyceltes zeigen. Gibt es dafür ein passendes deutsches Wort?
“Wiederverwertung” für Recycling geht noch. Mir fehlt jedoch ein Begriff für das als “wertvoller” anzusehende Upcycling.

2 Gedanken zu „Recycling / Upcycling Teil 1

    • LanArta sagt:

      Deine Weiterentwicklung meiner Gedanken ist eine prima Ergänzung zu meinem Beitrag und ganz in meinem Sinn!

      Antworten

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