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Raue Wolle geschmeidiger machen

Bekanntlich sind weitgehend naturbelassene Garne rauer und werden oft als „kratzig“ empfunden.
Die Haptik kommt daher, weil die Schafrassen in Regionen leben, die unwirtlich sind oder lange Winterzeiten haben. Die Tiere sind daher mit besonders wärmendem Fell, besonders an der Oberseite, ausgestattet.
Merino-Schafe, die meistens in wärmeren Gegenden leben, haben einen solch intensiven Wetterschutz nicht nötig, und das Wollhaar ist daher glatter und geschmeidiger.

Der Vorteil der Garne von „wetterbeständigen“ Schafrassen, wie Shetland- oder Islandwolle oder Garne von lettischen oder estnischen Tieren liegt auf der Hand: sie sind wärmender, bieten auch mehr Kälteschutz von außen, und können mehr Feuchtigkeit absorbieren.
Vom Klimatechnischen her betrachtet sind sie also optimal, fühlen sich jedoch nicht so schmiegsam an.
Meistens ändert sich das, wenn man die fertigen Stricksachen häufiger gewaschen hat, sie werden dann weicher, das Gestrick bauscht sich etwas auf. Der Nachteil der Wäsche: das gute Wollfett geht verloren, und damit etwas von der wasserabweisenden Eigenschaft des Garns. Auch der Selbstreinigungseffekt der Wolle lässt nach.

Lange Vorrede, nun zum Punkt:
Warum warten, bis das Strickstück etliche Male gewaschen wurde, um den angenehmeren Effekt zu erzielen?
Das Garn kann schon im Vorfeld behandelt werden. Dazu lässt man es in heißem Wasser simmern, wie man es beim Färben tut. Stränge oder Knäuel werden in Wasser gelegt und ca. eine Stunde geköchelt. Ohne das Garn zu bewegen, ohne Hinzufügen jedweder Substanzen. Sonst hat man Filzklumpen. Im Wasser auskühlen lassen, bloß nicht kalt abschrecken! Das Wasser soll auch nicht brodeln. Um die 90 Grad Celsius kann nichts schiefgehen
Dann Stränge oder Knäuel vorsichtig ausdrücken und gut durchtrocknen lassen. Et voilà: wir haben die gleiche Weichheit wie bei mehrmaligem Waschen.
Wir können das Garn noch optimieren, in dem wir ihm in einem Spülgang wieder Wollfett zusetzen und Rückfetten. Wollfett ist beispielsweise beim Finkhof zu bekommen, man erhält es jedoch auch in Apotheken.

Wie man Strickstücke rückfettet, ist in dieser Anleitung zu sehen.

Wenn man diese Prozedur zum ersten Mal durchführt, sollte man sie an einem kleinen Probestrang testen.
Das gibt einem Erfahrung für die Durchführung und vermeidet Misserfolg, für den ich keine Haftung übernehme 😉

 

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