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Der Totenkopf: oft verkannt

Dieses Strickmuster wollte ich schon lange mal stricken. Schon seit 9 Jahren speichere ich das “Deathflake” Einstrickmuster in meinen Dateien, und schon oft war ich nah dran, es auch umzusetzen. Weder Schal noch Socken, Handschuhe oder Jacken haben mich dazu motiviert. Erst das Muster “Acorn” von Junko Okamoto hat mich angestachelt. Dabei mochte ich die Kombination von Zöpflimuster am Schulterteil, Einstrickmuster und farblich abgesetzten unteren Teil.

Begonnen wird am Halsausschnitt, wobei mit verkürzten Reihen ein Ausschnitt erzeugt wird, der den hinteren Teil erhöht. Ganz ehrlich: an mir sitzt der Ausschnitt nicht, er rutscht mir immer über meine rechte, mehr hängende Schulter. Ich habe etwas herumecperimentiert, optimal ist es nicht geworden. Bei nächsten Mal weiß ich: Halsausschnitte dieser Art sitzen an mir nicht gut.

Dann wechselte ich die Nadelstärke für den glatten Teil vor dem Muster. Üblicherweise erhöhe ich die Nadelstärke bei Norwegermustern, weil sie sich gern zusammenziehen. Dennoch war ich sehr erstaunt, dass sich das Muster sehr locker und fast unregelmäßig auch mit der kleineren Nadelstärke zeigte. Eine halbe Nadelstärke weniger nehmen wollte ich dann doch nicht. Man merkt schon, das Ganze läuft etwas auf Trial und Error heraus, wobei ich den Error-Part großzügig als Design-Experiment im 80-er Style interpretiere, um die 5cm mit 390 Maschen nicht aufziehen zu müssen.

Nach dem Einstrickmuster habe ich nochmal kräftig Maschen zugenommen, um die Passe in Ärmel und Rumpf zu teilen. Ich vergaß zu erwähnen, dass meine Maschenprobe nicht im Entferntesten an die vorgegebene heran reichte, so dass ich komplett alles umrechnete. Ich wusch zwar die Maschenprobe, befürchte aber, dass das merinolastige Garn noch leiert. Ich weiß, warum ich rauere Garne für Norweger- oder Fair-Isle-Muster bevorzuge. Aber mein erklärtes Ziel in diesem Jahr ist auch, vorhandene Garne aufzubrauchen. Das helle Garn ist eine Mischung aus Sockenwolle (Hannelottes Gabe) und Fäden aus Merino von Zürcher & Stalder, normalerweise ein Web- und Maschinengarn. Damit kam ich auf eine Lauflänge von 160 m/50 g. Die gleiche Lauflänge besitzen die beiden anderen Garne, die dunkelblaugraue Wolle von und das Rowan-Garn, im Juni im Outlet gekauft.

Zurück zum Muster. Das Motiv inspirierte auch andere und entstand beispielsweise diese Abwandlung oder diese Variante. Ich blieb aber dem Original treu, weil die Maschenzahl der Passe fast genau für 13 Rapporte passte, ich musste nur 4 Maschen dazu nehmen. IM anderen Fall hätte ich 26 Maschen abnehmen müssen, was die Passe verengt hätte. Die Folge davon sind Wülste und Einschränkungen in der Bewegungsfreiheit.

“Warum um Himmels Willen strickst du denn Totenköpfe?” wurde ich häufig gefragt. Es sind keine Totenköpfe, sondern Symbole. Der Totenkopf, bzw. das ganze Skelett ist ein Symbol für den Tag der Toten. Dieser wird in den Tagen zwischen dem 31. Oktober und dem 2. November begangen.  Das Brauchtum zum Tag der Toten wurde 2003 von der UNESCO zum Meisterwerk des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit ernannt und 2008 in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit übernommen. Das man das mit Halloween nicht gemacht hat, spricht schon für sich.

Von unserem Sohn bekamen wir um die Jahrtausenwende das Spiel Grim Fandango, das im Totenreich spielt. Mit Manny Calavera (übersetzt: Skelett) erlebte man Abenteuer, musste viele Aufgaben lösen, um schließlich zu einem Happy End zu gelangen. Wir haben das Spiel nicht am Computer-Monitor angeschaut, sondern den Geschäfts-Beamer angeschlossen, damit wir das Geschehen in 1,2 x 1,7m Breite an der Wand genießen konnten.

Der Tag der Totenköpfe wird in Bolivien gefeiert, und zwar am 9. November. Das ist auch bei uns in Deutschland ein denkwürdiger Tag, der eng mit dem Tod verknüpft ist. Die als Reichskristallnacht 1938 beschönigte Bezeichnung markiert die Ablösung der Diskriminierung jüdischer Menschen hin zur systematischen Vernichtung des Judentums und des Massenmords an den Juden.

 

Zurück zum Projekt:

Nachdem ich das bisher Gestrickte selbst und der schönen Helena angezogen hatte, entschied ich, dass das gebeulte an mir nicht gut aussieht. Schon an Marja stellte ich fest, dass die Ausschnittsform grenzwertig ist, aber das ließ sich ausgleichen. Hier ist nichts mehr zu retten und daher wird aufgetrennt.

 

 

 

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