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Der Doppelklapp

Es gibt Anleitungen, auf die man ob ihrer Schlichtheit nie käme. Bzw. Als „Strickerin mit Niveau“ (sei mal dahingestellt, auf welchem) präsentiert man ungern Projekte, bei denen einem die Unterforderung in Technik, Schnitt und Design geradezu ins Gesicht springt. Man gibt ungern zu, Strickwerke zu arbeiten, die selbst die blutigste Anfängerin vor keinerlei Probleme stellen, außer vielleicht bei der Ausdauer.
Und genau beim Mangel an Ausdauer reihe ich mich mühe- und dünkellos bei den Anfängerinnen ein. Ich bewundere Strickerinnen, die große Flächen ohne Abwechslung im glatt-rechts-Muster  stricken. Obwohl: von Muster kann ja nicht die Rede sein.

Wo war ich? Ach ja: Schlichtheit im Design. Bei Knit-Ito sah ich diese Weste mit den Klapptaschen. 7,00 Dollar sollte die PDF-Anleitung kosten. Oritatami heißt übersetzt „klappen, falten“. Und in der Tat: mehr ist es nicht.
In der Beschreibung sieht man die Angaben für Länge und Breite, sowie die Maschenprobe des verwendeten Garns. Mehr braucht man nicht, um die Konstruktion seinen eigenen Bedürfnissen anzupassen. Ach was: Konstruktion; minimalistischer kann man eine Weste nicht gestalten. Ein langes Rechteck längs gefaltet, die vordere Mitte durchgeschnitten bis zum Hals und die unteren Ecken bis zur Seitennaht geklappt. Schon hat man eine Weste mit schönen Taschen. Mit laienhaftem Verstand würde ich die Architektur dieses Kleidungsstückes als typisch japanisch einstufen.

Die edle Eleganz wird durch Mengen hochwertiger Garne erzeugt, für die ich einen Kleinkredit aufnehmen müsste. Ein feines Seiden-Mohairgarn uns ein reines Bourette-Seidengarn werden miteinander kombiniert. Die Verwendung des Originalgarns hätte ca. 250 € gekostet, zuviel für mich angesichts der Schlichtheit des Modells, zumal ich ja zwei Exemplare davon fertigen wollte, für Mutter und Schwiegermutter.
Langer Rede kurzer Sinn: seht selbst, mit Klicken aufs Bild auch größer.

Ein wenig wollte ich die graue Joppe dann doch aufpeppen und entschied mich für Plattieren.
Bei einem Wollhändler im Online Auktionshaus, der für qualitativ hochwertige Garne bekannt ist, kaufte ich zwei 310g-Konen in einer Mohair-Mischung, 25,00 € zusammen.
Die sanften Pastellfarben wurden auf der Außeseite plattiert, und zwar das Karamell mit petrolfarbenem Schurwollfaden , das zarte Lila mit flieder, jeweils aus den Vorräten.
Das Mohairgarn wurde doppelt genommen.
Natürlich stimmten die Maschenproben von Inspiration und Realisation nicht überein, und so zeigte sich der Sinn der Lerneinheit „Dreisatz“, die Sechstklässler im Rechenunterricht beglückt. Damit war einfach umzurechnen.
Der Rücken wurde mit 196 Maschen und 280 Reihen gestrickt. Den Halsausschnitt kettete ich mit 40 Maschen ab, die ich als V-Ausschnitt wieder sukzessive zunahm. Die Vorderteile haben demgemäß – oder wie man es selbst entscheidet – auch wieder 280 Reihen.
Da ältere Damen ja gerne mal frieren, wurden noch kleine Ärmelchen drangefügt. Nun noch die Taschen hochgeklappt und an die Seitennaht genäht, und gut ist. Die Kanten habe ich mit Rollrand abgesetzt, der Verschluss ist in einem Fall ein Druckknopf, im anderen ein Magnetknopf, und fertig ist die warme Alltags-Hausjoppe.

 Leider gab es bei beiden Westen eine Fehlerquelle
Hier riss einer der beiden Plattierfäden, was ich aber zu spät bemerkte. Ist ein Designelement
Über der Tasche ist eine einzige Reihe, bei der der Plattierfaden gerissen ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die rollenden Ränder sind gleichzeitig auch die Blenden

 

 

 

 

 

Meine Mutter bekam gleich noch eine farblich passende Bluse dazu.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zusammenfassung
Muster  Oritatami von Onanoko
Quelle Ito
Material 200 g Schurwolle zum Plattieren

je 300 g Mohair-Mischung

Nadeln/Apparat KH 830
Größe 44 – 50
Sonstiges Maschenweite 8 für den Körper

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