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Da geht die Post ab!

Die AMPO-Pakete sind geschnürt und wollen auf den Weg in den Norden zu den Containern nach Burkina-Faso.

Da fällt mir was auf: welche Pakete werden denn heutzutage noch geschnürt? Die Versender weisen jedes Versandgut zurück, das mit Schnur versehen ist. Und noch ein Ausdruck fällt in die Kategorie „veraltet“: immer wieder stutze ich auf Ausdrücke in modernen, also maximal fünf Jahre alten Romanen. Beispielsweise „er/sie legte den Hörer auf die Gabel“, unabhängig davon, ob der Roman in Washington, Norwegen, der Mongolei oder Kapstadt spielt. Man könnte meinen, die Autorinnen und Autoren hätten von kabellosen Telefonen, die man in Stationen zurücksteckt, noch nie etwas gehört. Selbst verkabelte Behördentelefonhörer liegen in einer Schale oder Mulde und nicht auf der Gabel.
Kennt ihr auch solche veralteten Redewendungen?

1992 war mein ganzer Stolz im Betrieb ein Anrufbeantworter von Panasonic mit zwei Aufnahmekassetten. Übrigens hat der sog. „Anrufbeantworter“ die Anrufe nie beantwortet, zurückrufen musste ich immer selbst. Geblieben ist von diesem Relikt der Spruch „ich hab‘ dir aufs Band gesprochen“.  Kein Mensch spricht mir mehr aufs Band, seit langer Zeit haben wir Telefone mit Mailbox. Erst dieser Tage sagte eine Bekannte, mit Mobiltelefon: „Ich habe gesehen, dass du angerufen hast, aber auf dem Band war nichts“. Ich grinste bei der Vorstellung von Bandsalat im Handy.

Nun habe ich euch aber lange hingehalten. Natürlich habe ich gründlich überlegt, welchem Versender ich die drei vollen Umzugskartons anvertraue. Kennt ihr noch aus der achten Klasse das Thema „Lineare Optimierrung“?  Dabei werden verschiedene Fakten – meist aus dem betriebswirtschaftlichen Bereich – miteinander kombiniert und grafisch dargestellt. Wo sich die Linien treffen, ergibt sich die optimale Kombination.
In diesem Fall heißt es: ist es günstiger nach Paketgröße oder nach Gewicht zu versenden? Und welcher Anbieter hat das optimale Angebot einschließlich Abholung? Sollen alle Pakete zusammengeklebt werden oder ist einzeln günstiger? Knapp zusammengefasst kann man sagen: der geflügelte Bote ist bei schweren Sachen günstiger, der gelbe Anbieter bei voluminösen. So richtig preisgünstig ist meine Sendung bei keinem.

Hier seht ihr die Inhalte der Umzugskartons: neben den Stricksachen gibt es noch Zahnbürsten, Schreibmaterial für die Schulkinder, Nähsachen, Stickgarne und Bastelpapier. Klicken vergrößert.

Das Problem hat sich elegant gelöst! Schon wieder ein Zufall: Christine ist die Frau, die alle gehandarbeiteten Spenden im hohen Norden zusammenführt und zum Container bringt. Nicht nur dieses, sondern auch Medikamente, medizinische Produkte, Schreibsachen für die Schulkinder, Nähmaschinen, Kurzwaren, die Aufzählung könnte noch weitergehen.

Tja, und Christine macht Urlaub am Bodensee, mit einem großen Bus! Na? Was kombiniert ihr messerscharf? Genau. LanArta bricht mit Freundein Judith zum Bodensee auf. Das ist doch unglaublich! Starke zweieinhalb Stunden mit dem Auto, und man trifft eine Person, einen Engel für die AMPO-Kinder. „Ihre“ Kinder, wie sie sagt.
Zunächst gab es ein größeres Hindernis zu überwinden. Obwohl Christine uns im Ort erwartete und uns zum Campingplatz Nonnenhorn lotste, wurden wir angeblafft, noch bevor ich das Auto auf dem Besucherparkplatz geparkt hatten.
Trotz freundlichster Beteuerungen von Christine, die mit Mann und Wohnwagen dort Urlaub machte, wollte die Campingplatzverwalterin zig Mal betont wissen, dass der Besuch des Platzes eine Gebühr kostet. Christine erklärte nicht nur, dass wir Hilfsgüter für Burkina Faso anlieferten – die drei Umzugskartons hatten wir mittlerweile neben das Fahrzeug gestellt – sondern bot an, dass sie die Gebühr bezahlen wolle. Das befriedete die Dame nur zum Teil. Judith fragte, ob sie die Bananenschale auf den in Sichtweite stehenden Kompost werfen dürfe, das wurde streng untersagt.
Nun wollte Christine erst einmal unsere Mitbringsel sehen, und wir packten alles aus. Über dem Aufreger vergaßen wir, Fotos zu machen.

Damit die werte Leserschaft den vollen Überblick bekommt, kann sie unter dem Ravelry-Link alle einzelnen Strickarbeiten ansehen, über 17kg Garn stecken drin.

Wir waren immer noch etwas aufgeregt über die Dame, die für ihren Campingplatz sicher nicht die beste Werbeträgerin war, beruhigten uns dann aber bei Geback und Kaffee. Eins muss man dem Platz lassen: er war klinisch rein. Die Rasenkanten wie mit der Nagelschere gestutzt, kein Blättchen, geschweige denn irgendwas Anorganisches wagte sich auf die diszipliniert dastehenden Grashalme. Judith nutzte den Waschraum und berichtete, man müsse mit einem Handtuch nach Benutzung des Waschbeckens alles ringsum trocken wischen. Als Fachfrau für Hygiene führe ich das hier jetzt nicht weiter aus.

Christine erzählte über ihre Besuche bei AMPO und mir kamen fast die Tränen. Unglaublich was da auf einer ehemaligen Müllkippe aufgebaut wurde. Unfassbar, dass Kinder, die im Straßengraben gefunden wurden, Abitur gemacht haben und nun für den Lehrerberuf studieren, um den Straßenkindern selbst Lehrer zu sein. Dazu braucht es natürlich Geld. Wer sich hier beteiligen möchte, dem sei hier noch einmal die AMPO-Website ans Herz gelegt.

Wir müssen uns im Klaren sein: Unterstützung, die den Armen im Land kompetent hilft, verhindert, dass wir bei uns die Folgen der Flüchtlingsproblematik in massiver Form aufarbeiten müssen, zu einem Vielfachen dessen, was eine gezielte Hilfe vor Ort erreicht: dass die Betroffenen sich in ihrer Heimat eine lebenswerte Existenz aufbauen können.

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