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Die letzte ihrer Art

Der Heise-Rekord-Rundstricker hätte bestimmt noch weitergemacht, aber man sollte dem Wunsch eines Kurbelapparates nicht einfach nachgeben, immerhin bin immer noch ich die Herrin im Hause Rundkurbler. Einem Begehren bin ich jedoch gefolgt: eine gründliche Reinigung war fällig.
Zunächst Nadeln raus und in ein WD40-Bad. Dann die Kurbel und das Kurbelgehäuse nebst Rundenzähler abgeschraubt. Den Zylinder in die Einzelteile zerlegt und eine Zahnbürste bereit gehalten. Damit erst einmal sämtliche Nadelkanäle von Wollflusen befreit. Danach mit WD40 eingesprüht und die Nadelkanäle von Ablagerungen gereinigt, also  vom Fussel-Praffin-Glomerat. Das dauerte am längsten. Immer wenn ich dachte, alles sei nun sauber, zeigte sich bei heller LED-Beleuchtung in einem der 84 Kanäle immer noch eine kleine Ablagerung. Ich schrubbte und schrubbte, diese Arbeit hatte ich völlig unterschätzt, bzw. vergessen, dass ich diese Arbeit bei der Restaurierung schon einmal vorgenommen hatte. Als der Zylinder nahezu jede Mattigkeit verloren hatte, und auch die anderen Teile schmutzbefreit waren, wurde alles wieder verschraubt. Bedauerlicherweise ließ sich das Blatt des Rundenzählers nicht auf Hochglanz bringen. Damit werde ich zum Schlosser gehen und fragen, ob er ein probates Mittel habe.

Ein ums andere Mal habe ich mich gefragt, was die Leute früher ohne WD40 gemacht haben. Caramba? Petroleum?

Bedauerlicherweise gibt es keine Bilder der Putzaktion. Die Kamera mit Ölpfoten anzufassen hätte ihr nicht gut getan, und die Bequemlichkeit schlug das Dokumentationsbegehren um Längen. Ist ja bei der zweiten Maschine wiederholbar. Seit langem zum ersten Mal kaufte ich ein Fläschchen Nagellack in leuchtender Farbe. Damit habe ich die erforderlichen Positionen am Zylinder neu markiert: Nadelposition für die Ferse, 12 Uhr, 3 Uhr, 9 Uhr. Damit hat man die 84 Nadeln geviertelt und sieht auf einen Blick, wie Ferse und Spitze angelegt werden müssen. Eine hervorragende Dokumentation für die Positionen gibt es bei Hedy strickt, so gut kann ich das nie erklären. Allerdings fehlt dabei der 84-er Zylinder, wie ihn meine Maschinen haben, aber das kann man sich ja dann vorstellen.

Geölt wurde noch nicht überall, zunächst soll das WD40 verdunsten. Vor der nächsten Inbetriebnahme werden die beweglichen Teile mit harz- und säurefreiem Öl behandelt.

 

Der Anfang und das Ende der Garne. Nicht auf dem Bild sind noch ca. 600g naturfarbene Merino von Hannelotte gestiftet

Heinz tat auf dem Sockenstrickertreffen an Pfingsten den Ausspruch „Konen kann man nie genug haben“. Solche Aussagen sollte man nicht leichtfertig treffen, sie könnten ernst genommen werden. Die restlichen Garne, zu denen mir kein Verbrauch einfiel, passten zusammen mit den Leerkonen in ein Paket, das jetzt im Bayrischen Wald angekommen ist. Immerhin: falls die Konen nicht verbraucht werden wollen, dienen sie immer noch hervorragend für den Kachelofen 😛

 

Für das Projekt „AMPO“ habe ich Vorgaben eingehalten:

  • Nutzen vorhandener Garne (neben eigenen Vorräten Wollspenden von Ulrike, Maren und Hannelotte).
    Das habe ich bis auf 300g auch eingehalten, wobei 300g im Verhältnis zur Gesamtmenge keinen signifikanten Verstoß darstellen
  • Die Projekte müssen einen hohen Naturfaseranteil besitzen, damit sie am offenen Feuer nicht abfackeln. Ja, es gibt Projekte, die auch Kunstfasern enthalten, diese habe ich versucht mittig einzuarbeiten, so dass keine Garnenden ins Feuer hängen können.
  • Austesten verschiedener Techniken an den Strickapparaten. Bei den Sockenapparaten gibt es nicht viel auszutesten, die machen Schläuche, Streifen und können mit verkürzten Reihen Ecken erzeugen. Hier besteht die Herausforderung, die Streifen mit den Farben so zu gestalten, dass nicht alle gleich aussehen. Viele Designs habe ich aus Bequemlichkeit verworfen, z.B. das Log-Cabin-Muster. Andere werde ich bestimmt noch umsetzen, wenn ich ausreichend Garn dazu habe. Die Nadelzahl des Zylinders – bei meinen Apparaten 84 –  gibt eine Breitengröße vor, so dass ich schmalere oder breitere Streifen an der Flachbettmaschine erzeugen müsste.
  • An der Flachbettmaschine habe ich ebenfalls geübt: z.B. die Mustereingabe. Dann natürlich der Strickknecht, der wird noch bei den Cowls zum Einsatz kommen.

Für die Handstrick-Pietisten sei angemerkt. Die Projekte purzeln nicht fertig aus der Maschine, man muss sie ebenso zusammennähen, wie Handstrickprodukte. Dazu kommt einiges an Planung, weil man nicht auf vorhandene Anleitungen zurückgreifen kann. Pro Decke habe ich ca. 35 – 40 Stunden gebraucht.

Der letzten Decke sieht man an, dass den verbliebenen Garnen noch so etwas wie ein Design abgetrotzt wurde. Es ist jedoch schon erkennbar, wie die Farben sich immer mehr reduzieren. Wie auch die letzten fünf Wendedecken wird sie nach Burkina Faso reisen.  Damit Ende August die Pakete geschnürt werden können, werden nun noch Schlauch- und Wendeschals gestrickt.

 

Da fällt mir was auf: welche Pakete werden denn heutzutage noch geschnürt? Die Versender weisen jedes Versandgut zurück, das mit Schnur versehen ist. Und noch ein Ausdruck fällt in die Kategorie „veraltet“: immer wieder stutze ich auf Ausdrücke in modernen, also maximal fünf Jahre alten Romanen. Beispielsweise „er/sie legte den Hörer auf die Gabel“, unabhängig davon, ob der Roman in Washington, Norwegen, der Mongolei oder Kapstadt spielt. Man könnte meinen, die Autorinnen und Autoren hätten von kabellosen Telefonen, die man in Stationen zurücksteckt, noch nie etwas gehört. Selbst verkabelte Behördentelefonhörer liegen in einer Schale oder Mulde und nicht auf der Gabel.
Kennt ihr auch solche veralteten Redewendungen?

1992 war mein ganzer Stolz ein Anrufbeantworter von Panasonic mit zwei Aufnahmekassetten. Übrigens hat der sog. „Anrufbeantworter“ die Anrufe nie beantwortet, zurückrufen musste ich immer selbst. Geblieben ist von diesem Relikt der Spruch „ich hab‘ dir aufs Band gesprochen“.  Kein Mensch spricht mir mehr aufs Band, seit langer Zeit haben wir Telefone mit Mailbox. Erst dieser Tage sagte eine Bekannte, mit Mobiltelefon: „Ich habe gesehen, dass du angerufen hast, aber auf dem Band war nichts“. Ich grinste bei der Vorstellung von Bandsalat im Handy.

Nachtrag: Unschönes zeigte sich nach dem Waschen: das Baumwoll-Acryl-Chenille-Garn zeigte seltsames Verhalten. So kann das natürlich nicht versandt werden. Die beschädigten Stellen wurden also herausgetrennt und mit Stoffpatches aus Wollfleece ersetzt.

Oberflächlich betrachtet sieht die Decke OK aus. Aber Yoda von der Qualitätssicherung guckt missmutig auf den Schaden Hier sieht man, wie das Material an den Nähten ausfranst

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit dem erbsengrünen Fleece kann man sich bestimmt arrangieren

 

Zusammenfassung
Muster Eigenes
Quelle meine Überlegungen
Material Konengarn-Reste verschiedener Materialien und Farben
Spendengarne aller Art
Nadeln /Maschine
Heise Rundstricker 84-er Zylinder
Größe 175cm/ 125cm
Sonstiges Durch Waschen zerstörte Garnpartien durch Wollfleece ersetzt

 

 

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