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Helena die Zweite

Die mythische Helena dürfte einer jeden bekannt sein, die schönste Frau ihrer Zeit, als Tochter von Leda und Zeus aus dem Ei geboren. Um ihre Person gab es eine Menge Trubel, sie wird unter anderem als Auslöser des Trojanischen Krieges betrachtet.
Helena die Erste ist weniger sagenumwoben und begleitete mich 15 Jahre lang. Sie war damals aus England angereist und schon etwas in die Jahre gekommen, wollte aber nicht gleich in den Ruhestand. Helena I leistete mir treue Dienste als “schöne Helena”. Auch ihr habt sie oft genug hier gesehen, immer stoisch und zuverlässig zeigte sie sich von ihrer besten Seite und präsentierte Strick- und Häkelprojekte ohne Murren. Ihr leicht invalider Zustand – der Unterbau: sprich Standfuß musste prothetisch erneuert werden – fiel gar nicht auf, da sie stes proper ausgestattet zur Arbeit antrat. Ihre leichte Stehbehinderung hat sie nonchalant überspielt.

 

 

Helena hat den Nachnamen “Pfaff”, der für Qualität im Couture-Werkzeug steht. Ihr auf der Brust angeheftetes Namensschild machte als erstes den Abgang. Dann wurden die Drehknöpfe aus Kunststoff langsam mürbe und erfüllten ihre Funktion kaum noch. Als sie einmal umfiel, bekam sie einen Hüftschaden, der sie auf Fotos immer etwas schief aussehen ließ. Dass ihre Haut, die Stoffbespannung, sich langsam löste, war kein großes Problem, auch menschliche Haut folgt mit zunehmendem Alter der Schwerkraft und kann durch geeignete Kleidung gnädig verhüllt werden, wenn gewünscht.

 

 

Helena II und Helena I genießen die erste Frühlingssonne auf dem Balkon. An der Markisenfarbe kann man ungefähr das Baujahr des Hauses erkennen.

Ich schaute mich also schon einmal nach einer Nachfolgerin um. Und siehe da: im bekannten Auktionshaus fand sich eine jüngere Ausgabe, ebenfalls eine Helena. Mit dem Vorbesitzer wurde ich rasch handelseinig, denn Helena II hatte keinen Fuß. Helena I war bereit, diesen an ihre Nachfolgerin abzutreten.

Mittels der Drehknöpfe löst man die Sperren für die Maßanpassung. Die Größe kann in cm durch Schieben einer Metallführung mit Zentimeteraufdruck angepasst werden, bei dieser Helena auf die Maße von Größe 40 – 44.

Wenn man die Maße eingestellt hat, fixiert man sie wieder durch den Drehknopf.
Die Oberweite wird seitlich, vorn und hinten justiert. Die Halsweite wird mit einem Rasterknopf reguliert.

Auch Taillen- und Hüftweite sind einstellbar. Wenn man einen langen Oberkörper hat, kann man diesen mit einer Rastung vom Hüftteil weg nach oben schieben.
Am Standfuß ist die Körperhöhe einzustellen, an diesem kann ein Rockabrunder befestigt werden, der auch zur Rocklängenbestimmung dient.

Die letzten beiden Funktionen werde ich eher nicht nutzen, da meine Nähfertigkeiten sich eher auf schlichte Kleidung beschränkt, die kein zentimetergenaues Arbeiten auf Figur verlangt. Das überlasse ich solchen, die es besser können.

 
Wer nun glaubt, Helena die Erste wurde in den Ruhestand versetzt, hat sich getäuscht. Sie wird einen Fulltime-Job im Funduz aufnehmen, dem größten Kostümverleih weit und breit. Hier wird sie Originalkostüme aus allen Epochen präsentieren. Zu gerne hätte sie das Samtkleid in Grün und Orange der letzten hiesigen Freifrau (gest. 1611) gezeigt, aber dafür ist sie ein klein wenig zu mollig. Sie wird auch einen neuen Standfuß bekommen: bei der Renovierung des Gemeindehauses nach der neuen Brandschutzverordnung fanden sich die gesammelten elektronischen Gerätschaften seit Beginn der 80-er Jahre. Darunter auch Mikrofonständer, zu denen kein modernes Mikrofon mehr nutzbar ist. Zwei davon werden reaktiviert: für Helena I und Helena II.

 

So sieht Helena II in der kleinsten Größe aus.
Helena gedresst: Über Rock und Shirt werden die Strickstücke arrangiert.

 

 

 

 

 

 

 

 

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