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Perserwetter oder: Der Start in die Spargelsaison

Was bei der einen das Siamesenwetter, ist bei uns das Perserwetter. Unser Kater aus dem Tierheim wurde mit der Ermahnung abgegeben, dass es sich um einen Freigänger handele und der Zugang nach draußen gewährleistet sein müsse. Klein

Von wegen „Freigänger“. Unser Yoda geht nur ins Freie, wenn mindestens einer von uns das auch tut, und wenn die Temperaturen die 20° Celsius übersteigen. Man sollte doch meinen, eine solche Bepelzung würde sogar arktische Temperaturen aushalten, aber Yoda sieht das definitiv anders. Hier sieht man ihn beim ersten Sonnenbad in diesem Jahr, auch die Magnolienblüte war spät dran und dauert immer noch.

 

Die Spargelsaison ist bei uns bereits am 1. April gestartet. Unter den Thermofolien schafft es der Spargel, auch bei spärlichen Temperaturen zu wachsen. Ich frage mich, wie ihm das gelungen ist, ich bin fast den ganzen März noch durch schneebedecktes Gelände zur Arbeit gefahren. Dass die Spargelsaison am Horizont dräut, merkt man daran, dass zahlreiche Verkaufshütten und -stände an zentralen, verkehrsgünstig gelegenen Feldbereichen oder im Ort aufgebaut werden.

Die Arbeiter, die bei uns den Spargel ernten, waschen und verkaufen, kommen aus verschiedenen Ländern und sind überwiegend seit Jahren beim gleichen Arbeitgeber im Einsatz. Bewundernswert, was die Leute leisten: Spargelstechen ist nicht trivial, sondern erfordert Können. Darüber hinaus ist es Knochenarbeit in ungesunder Haltung bei fast jedem Wetter. Frühmorgens und teilweise kurz vor der Dunkelheit sind die Leute bei der Arbeit auf dem offenen Feld.
Eine neue Gesetzgebung wollte die Spargelanbauer veranlassen, in erster Linie heimische Arbeitnehmer einzusetzen, insbesondere sollte damit Langzeitarbeitslosen eine Tätigkeit verordnet werden. Das war aber ein Schuss in den Ofen. Abgesehen davon, dass die heimischen Arbeitslosen das Spargelstechen mühsam erlernen mussten, hatten sie von der beschwerlichen Arbeit die Nase bald gestrichen voll. Die Arbeitgeber beschwerten sich über das Mimimi und den mangelnden Einsatz der zugewiesenen Kräfte.

Die Spargelstecher und -stecherinnen stammen hierzulande überwiegend aus Bulgarien, Rumänien und Polen und sind auch der einheimischen Bevölkerung bekannt. Sie logieren auf den Höfen ihres Arbeitgebers und werden teilweise verköstigt, teilweise versorgen sie sich selbst. Viele von ihnen sind auch im Winter da, dann schneiden sie den Feldsalat bei Frost oder Eiseskälte.

Wer schon im April Spargel essen muss, soll das gerne tun. Aus Sicht des Spargelgenießers, der traditionell erst im Mai, frühestens in der letzten Aprilwoche, den ersten Spargel zu sich nimmt, sind Esser, die bereits Anfang April Spargel haben müssen, ohnehin Ignoranten. Wir Spargelsnobs wissen genau, dass sich im Aprilspargel der Hauptanteil des Segens moderner Düngemethoden befindet: nitratgetränkt ohne Ende. Riecht man und schmeckt man. Aber es ist schon OK, wenn die Spargelverrückten diesen salzig und etwas künstlich schmeckenden Spargel kaufen und wegessen. Sie erfreuen auch den Spargelbauern, indem sie absonderliche Preisvorstellungen ohne mit der Wimper zu zucken bedienen. 12 – 16 € pro kg sind keine Seltenheit.
Wir kaufen im Mai den Spargel, der auch so schmeckt und schon zu Kilopreisen von 3-4 € zu haben ist. Das sind dann Exemplare, die nicht dem gängigen Schönheitsideal einer bestimmten Stärke oder stratzgeradem Wuchs entsprechen und grüne und lila Spitzen haben. Da kann es schon 2-3mal wöchentlich vorkommen, Spargel auf dem Teller zu haben, die Verkaufsstände erinnern stetig daran, welchen einzukaufen. Viele Einheimische schwören auf „ihren“ Spargelanbauer und kaufen nur dort.

Wir kochen den Spargel nie im Wasser zu Tode, sondern bevorzugen Zubereitungsarten, die Vitamine und Geschmack erhalten und nicht ins Wasser spülen. Spargel enthält ohnehin genügend Wasser, da muss man ihn nicht auch noch darin baden. Einen Spargelkochtopf gehört zu den Küchengeräten eines Privathaushalts, die so überflüssig sind wie ein Knopf am Knie, wir haben trotz überdurchschnittlichem Spargelkonsum nie einen besessen.

Wenn man den Spargel während seiner natürlichen Wachstumszeit genießt, macht es dann auch nichts mehr aus, dass die Saison zu Johanni zu Ende ist und man den nächsten Mai abwarten muss. Es reicht dann dann auch. Ab Mitte/Ende Mai werden an den Spargelhäuschen auch Erdbeeren verkauft.

Ein Dutzend Spargelrezepte fallen mir auf Anhieb ein.
Hier eine Zubereitung, die schnell geht und in viele individuelle Varianten abgewandelt werden kann. Für zwei Personen kaufe ich ein Kilo Spargel. Da wir diesen Spargelschäler (Bezugs- und Bildquelle) haben, geht das Schälen blitzartig, und es gibt auch keinen Bruch. Über den Schälerpreis muss ich etwas grinsen, an unseren Verkaufshütten gibt’s den für etwa die Hälfte.
Der Vorteil ist: dieser Schäler, der auch für Linkshänder geeignet ist, bearbeitet auch krumme Spargel ohne Bruch und man kann somit auf günstige Angebote zurück greifen. Die Spargel dürfen gern unterschiedlich dick sein.

Zutaten

  • 1 kg Spargel in beliebiger Erscheinungsform
  • 1 Zwiebel
  • 3 Esslöffel Olivenöl oder 50g Butter
  • 6 – 8 Eier, je nach Hunger oder Größe.
  • Bund Petersilie
  • Gewürze: Pfeffer, Salz, Muskat
  • Nicht-Vegetarier können auch 100 – 150 g Speck zufügen
  • Am besten Pfanne mit hohem Rand oder Wok benutzen

Zubereitung

  • Spargel schälen und in mundgerechte Stücke schneiden (4-5cm)
  • Zwiebel würfeln, Petersilie hacken
  • Olivenöl oder Butter erhitzen, Zwiebel andünsten, den Spargel dazu geben und je nach Dicke der Spargel 5-10 Minuten, in der ersten Minute rührend, anbraten. Testen, ob der Spargel das eigene „Mouthfeeling“ bedient, also eher schlabbrig oder eher bissfest.
  • Eier schlagen und würzen (Salz, Pfeffer, Muskat)
  • Die Eiermasse über den Spargel geben, einen Teil der Petersilie dazu, das Ganze umrühren, Deckel drauf und bei runtergeschalteter Hitze stocken lassen.
    Dazwischen 1-2mal umrühren, damit sich die Spargel gut verteilen. Wenn sie aber am Pfannenboden bleiben, macht das auch nichts
  • Vor dem Servieren die restliche Petersilie darüber streuen.
  • Variante 1: Zunächst den geschnetzelten Speck anbraten, dann fortfahren, wie oben
  • Variante 2: Alle Petersilie unterrühren und als Topping Parmesan oder anderen Reibkäse schmelzen lassen (bei geschlossenem Deckel).

Die Mahlzeit ist leicht und sättigend. Lasst es euch schmecken!
Hier der Werdegang der Mahlzeit:

Die geschälten und geschnittenen Spargel werden im Wok angebraten
Die geschälten und geschnittenen Spargel werden im Wok angebraten
Speckwürfel (oder nicht) und ein Rest Tofu kamen noch dazu

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die geschlagenen Einer drüber, ab und an umrühren und dann stocken lassen (Hitze runterdrehen)
Die geschlagenen und gewürzten Eier drüber, ab und an umrühren und dann stocken lassen (Hitze runterdrehen). Ich mache das mit geschlossenem Deckel
Nach Belieben Käse drüber. Die Petersilie wurde diesmal weg gelassen
Nach Belieben mit Käse abdecken. Die Petersilie wurde diesmal weg gelassen. Auch hier Deckel drauf.

 

 

 

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