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Der Evergreen – die Maschenprobe

Ein Projekt, das schon länger begonnen wurde, liefert spannende Erkenntnisse in punkto Maschenprobe. Schon beim Appell an die Maschenprobenverächter und beim Vertrauen auf „ich hab doch schon viel Erfahrung“ wurde dokumentiert, dass man sich bei Strickstücken mit Passformwunsch nicht um die Maschenprobe drücken sollte.

Mangels frisch begonnener Projekte – ein Augenproblem bereitete Pein und Strickpause – kann jedoch an einem schon länger gestarteten Strickstück gezeigt werden, dass auf die auf den Banderolen angegebene Maschenprobe nicht immer Verlass ist. Jede strickt anders, das ist weiß Gott keine neue Erkenntnis.

Nun kann ich ein Beispiel zeigen, bei dem man schon optisch erkennt, dass die Maschenprobe mit der empfohlenen Nadelstärke 5mm nichts taugt. Absolut nichts.
Schon in anderen Beiträgen habe ich mich darüber ausgelassen, dass die angegebenen Nadelstärken bei deutschen Garnprodukten viel zu hoch angesetzt werden. Das ist in anderen Ländern nicht so.
Gleichzeitig liest man in den Garnbeobachtungen bei Ravelry „pillt, scheuert sich durch, sitzt wie ein Sack, längt sich“ und vieles mehr. Ja, kein Wunder: eine zu große Nadelstärke macht das Gewebe extrem locker, und dann pillt es – vor allem bei wenig verzwirntem Garn – scheuert sich durch, etc., you name it.

Von Ulrike bekam ich die schöne Herdisjacke, bei der ich mir ersparen wollte, sie selbst zu stricken. Leider passte sie weder mir noch meiner Mutter, uns beiden waren die Ärmel zu lang. Meiner Mutter reichte sie überdies bis zum Knie.
Ich trennte das Strickstück also auf, wobei ich auch spannende Erkenntnisse bezüglich Ulrikes Methode des Zusammennähens und der Endfädenverwahrung gewann.
Die ersten Nähte waren mühsam, aber einmal das Prinzip erkannt, lief es wie am Schnürchen, zumindest in dieser Hinsicht. Natürlich gab es Pillingknötchen durchs Tragen und dadurch zusammengefilzte Stellen, aber insgesamt kann über die Garnqualität nicht gemeckert werden.
Es handelt sich um das nicht mehr erhältliche Garn Gedifra Fashion Trend Onda, in einfacher Drehung, also dochtgarnartig. Ja, man weiß das, Dochtgarn neigt zum Filzen und Pillen. Aber nur, wenn man es falsch verstrickt. Es verarbeitet sich wunderbar, gleitet fast wie von selbst über die Nadeln und erzeugt ein schönes und definiertes Maschenbild. Und die Melange der Garne lässt die Farbe weich erscheinen.
Quer

Auch Ulrike hat sich schlauerweise nicht an die angegebene Nadelstärke von 5 mm gehalten, sondern Nadelstärke 3,5 mm genommen. Wie ich. Und nun seht den Unterschied zwischen den beiden Geweben, die mit dem gleichen Muster gestrickt sind. Die größeren Maschen links sind die 3,5er Nadeln von Ulrike, die festeren rechten sind mit meinen 3,5er Nadeln gestrickt 🙂

Man erkennt auch, dass das Gewebe viel verwaschener und die Maschen weniger definiert erscheinen. Das Rippenmuster mit verschränkten Maschen wurde mit 3,25mm gestrickt.

 

 

Hochkant

 

 

Rechts im Hochkant-Vergleich könnte man sogar fast meinen, es handele sich um ein ganz anderes Muster.
Ich will mir nicht vorstellen, wie das ausgesehen hätte, wenn wir beide mit den angegebenen 5mm gestrickt hätten. Netzhemd? Joah, wer’s mag …

 

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